Ärzte Zeitung, 02.10.2008

Krankenversorgung für Alle bleibt in Paraguay weiter ein Traum

Die Senkung der Kindersterblichkeit ist eines der UN-Millenniumsziele. Paraguay ist weit davon entfernt.

Von David Vargas (IPS)

Krankenversorgung für Alle bleibt in Paraguay weiter ein Traum

Schwierige Versorgung: Patienten und Pflegekräfte nach dem Ausbruch von Gelbfieber in Paraguays Hauptstadt Asuncion im Februar.

Foto: dpa

Bis zur Umsetzung der Millenniumsentwicklungsziele (MDGs) zur Armutsbekämpfung bis 2015, auf deren Umsetzung sich die internationale Gemeinschaft im Anschluss an den Millenniumsgipfel im Jahr 2000 geeinigt hatte, hat Paraguay noch einen langen Weg vor sich. Vor allem im Gesundheitsbereich sind die Erfolge minimal, wenn nicht gar rückläufig.

Wie aus einer Studie von Antonio Arba, Leiter des Instituts für Tropenmedizin in der Hauptstadt Asunción, hervorgeht, gehört Paraguay mit einer Kindersterblichkeit von 25 bis 30 Todesfällen pro 1000 Lebendgeburten zu den gesamtamerikanischen Schlusslichtern und wird nur noch von Haiti mit 60 pro 1000, Bolivien mit 55 pro 1000, Guyana und Guatemala mit jeweils 48 pro 1000 überboten.

Somit wird es Paraguay kaum gelingen, die Kindersterblichkeit bis 2015 um zwei Drittel des Werts von 1990 zu senken. 1995 lag sie immer noch bei 30 pro 1000 Lebendgeburten. Ebenso geringe Fortschritte macht das Land beim Kampf gegen die hohe Müttersterblichkeit, der in den UN-Zielen festgeschrieben ist. Im Idealfall sollte die Müttersterblichkeit um drei Viertel unter den Wert von 1990 sinken.

"In Chile liegt die Kindersterblichkeitsrate bei acht pro 1000 und in Uruguay bei knapp über zwölf pro 1000. Unser Anliegen müsste sein, diesen beiden Ländern nachzueifern, um ähnlich niedrige Raten bis 2015 zu erzielen. Doch wenn wir weitermachen wie bisher, werden wir kaum erfolgreich sein", warnt Arba.

Für 10 000 Patienten gibt es im Schnitt in Paraguay vier Ärzte.

Außer der Senkung von Mütter- und Kindersterblichkeit zielen die MDGs beispielsweise auch auf die Halbierung von Armut und Hunger, Grundschulbildung für alle, die Bekämpfung schwerer Krankheiten wie HIV/Aids und Malaria und den Aufbau einer globalen Entwicklungspartnerschaft zwischen den Ländern des Nordens und Südens.

"Die mangelhafte Infrastruktur ist nur ein Problem von vielen", meint Desiree Nasi, Vorsitzende des Paraguayischen Ärzterings. "Sie ist Ausdruck dafür, dass der Gesundheitsbereich unterfinanziert ist.

Paraguay gehört zu den gesamtamerikanischen Ländern, die mit 31 US-Dollar (etwa 20 Euro) pro Person am wenigsten für den Gesundheitssektor ausgeben. Schlechter schneiden nur noch Haiti mit zwölf US-Dollar (etwa 7,70 Euro) und Nicaragua mit 29 US-Dollar (etwa 18,70 Euro) ab.

Der Mangel an Investitionen geht mit einem Mangel an menschlichen Ressourcen einher. So stehen jeweils 10  000 Patienten ganze vier Ärzte und zwei Pflegekräfte zur Verfügung. "Wir sind das Land des amerikanischen Kontinents, das an viertletzter Stelle steht, was die Zahl der Ärzte angeht", berichtet Nasi. "Und das Defizit an Pflegekräfte ist so groß, dass wir nur noch von Haiti unterboten werden, wo auf 10 000 Patienten statistisch gesehen 1,1 Pfleger kommen." "Der Panamerikanischen Gesundheitsorganisation (PAHO) zufolge sollten 1000 Bürgern acht bis zehn Krankenhausbetten zur Verfügung stehen. In Paraguay liegt das Verhältnis bei eins zu 1000", rechnet die Wissenschaftlerin Arbo vor. Doch das Stadt-Land-Gefälle fordert sein Tribut: So gibt es in der Hauptstadt Asunción sechs Krankenbetten pro 1000 Patienten, im 150 Kilometer entfernten Caaguazú jedoch statistisch nur 0,4.

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