Ärzte Zeitung online, 23.10.2008

Frau in Tokio stirbt, weil Kliniken sie abweisen - Ärztemangel in Japan

TOKIO (dpa). In Japan ist eine Frau kurz nach einem Notkaiserschnitt gestorben, weil sie von mehreren Kliniken abgewiesen wurde. Die 36-Jährige litt an einer Gehirnblutung, wie Medien am Donnerstag berichteten. Der Tod der Frau entfachte erneut eine Debatte um akuten Ärztemangel in Japan.

Der Arzt der Patientin hatte Anfang des Monats eine Notfallklinik in Tokio gebeten, die 36-Jährige wegen "ungewöhnlich akuter Kopfschmerzen" sofort zu behandeln. Obwohl die Frau noch gar keine Wehen hatte, lehnte das Krankenhaus sie mit der Begründung ab, dass nur ein Geburtshelfer im Dienst sei. Danach wiesen sechs weitere Kliniken die Frau ab. Schließlich nahm die Notfallklinik die 36-Jährige doch noch auf und holte das Kind per Kaiserschnitt gesund zur Welt. Die Frau wurde am Gehirn operiert. Trotzdem starb sie drei Tage später. Die Klinik rechtfertigte im Nachhinein ihr Verhalten laut Medienberichten damit, nicht ausreichend über den Gesundheitszustand der Frau informiert gewesen zu sein.

Bereits in der Vergangenheit hatte es Hunderte von Fällen in Japan gegeben, bei denen Schwangere gleich von mehreren Kliniken aus Mangel an Ärzten abgelehnt wurden. Oftmals waren sie sogar im Krankenwagen zu den Kliniken gebracht worden. Der jüngste Fall ist ungewöhnlich, weil er sich in der modernen Hauptstadt Tokio und nicht wie sonst oft auf dem Lande ereignete.

Als ein Grund dafür, dass immer weniger Medizinstudenten Geburtshelfer oder Kinderärzte werden wollen, gelten die harten Arbeitsbedingungen. Die wenigsten wollen nicht in den Provinzen arbeiten, sondern lieber in Großstädten, zumal sie dort besser verdienen. Ein weiterer Grund für den Ärztemangel ist auch eine steigende Zahl an Prozessen wegen des Vorwurfs ärztlicher Fehlbehandlungen.

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