Ihre Meinung ist gefragt: Machen Sie bei unserer Online-Umfrage mit!

Ärzte Zeitung, 03.11.2008

Lebensgefahr für Mitarbeiter von Hilfsorganisationen im Kongo

Im Krisengebiet leisten "Ärzte ohne Grenzen" medizinische Hilfe

FRANKFURT/MAIN (ine). Zwei Monate nach der Offensive von Tutsi-Rebellen im Osten Kongos breiten sich die Konflikte weiter aus. Nach Angaben von Hilfsorganisationen sind über eine Million Menschen auf der Flucht. Mitarbeiter von "Ärzte ohne Grenzen" leisten im Krisengebiet medizinische Nothilfe.

Lebensgefahr für Mitarbeiter von Hilfsorganisationen im Kongo

Trotz der UN-Truppen sind Hunderttausende im Kongo auf der Flucht.

Foto: dpa

"In vielen Städten wie in Kitchanga, Masisi und Mweso sind wir die einzige internationale Organisation, die vor Ort medizinische Hilfe leistet", heißt es bei "Ärzte ohne Grenzen" in Berlin. Viele Dörfer seien verlassen, unzählige Menschen auf der Flucht. "Für sie ist die Situation extrem schwierig, da sie nur das mitnehmen konnten, was sie tragen konnten", sagt die Leiterin der Noteinsätze Marie-Noelle Rodrigue. Die Flüchtlinge bräuchten dringend Unterkünfte, Essen und sauberes Wasser.

Die Helfer von "Ärzte ohne Grenzen" unterstützen in drei Krankenhäusern in Nord-Kivu das dortige Personal bei der Grundversorgung von Patienten. Zudem sind die Ärzte mit mobilen Kliniken im Einsatz, um auch die Menschen auf dem Land zu erreichen. "Es ist nicht immer leicht, die Vertriebenen zu finden", sagt Annie Desliets, Projektkoordinatorin in Kitchanga. "In einer Woche versorgen wir Menschen in einem Dorf, das kurz darauf wieder verlassen ist."

Nach jahrzehntelanger Diktatur und Bürgerkrieg ist die wirtschaftliche und soziale Infrastruktur im Kongo weitgehend zerstört. Die medizinische Versorgung hat große Mängel - es fehlt an Technik und Geräten. Die hygienischen Standards sind unzureichend, im Landesinnern katastrophal. Malaria, HIV/Aids, Schlafkrankheit und Tollwut sind verbreitet. In der Hauptstadt Kinshasa sind zwar viele Medikamente erhältlich, aber sie sind sehr teuer. "Engpässe können nie ausgeschlossen werden", heißt es beim Auswärtigen Amt in Berlin.

In ganzen Land kommt es zu Raubüberfällen, Plünderungen, Vergewaltigungen. Allein aus der Provinzhauptstadt Goma sind in den letzten Tagen mehr als zehntausende Menschen geflohen. In einem Flüchtlingslager sollen nach Medienberichten erste Fälle von Cholera aufgetreten sein. Die Situation wird auch für die Helfer immer gefährlicher. Viele Hilfsorganisationen haben ihre Mitarbeiter bereits evakuiert. "Unsere Kollegen befinden sich derzeit in einer immens schwierigen Situation", sagt Manuela Robach, Geschäftsführerin von Aktion "Deutschland Hilft" in einer Mitteilung. Einerseits stehe die eigene Sicherheit im Vordergrund, andererseits wollten die Mitarbeiter auch nicht die Flüchtlinge ihrem Schicksal überlassen. Wie die Nachrichtenagentur dpa meldet, hat der Rebellengeneral Laurent Nkunda die Einrichtung eines "humanitären Korridors" zur Versorgung der Flüchtlinge angeboten.

Nothilfe kommt von der Europäischen Union. Sie hat eine Soforthilfe von vier Millionen Euro für Flüchtlinge und Vertriebene im Osten bereitgestellt. Die Bundesregierung hat dem Land in diesem Jahr bereits 5,67 Millionen Euro für Hilfsprojekte zugewiesen.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Was schützt wirklich vor der prallen Sonne?

Auch beim Sonnenschutz setzen immer mehr Menschen auf Naturprodukte. Forscher haben die Schutzwirkung von Samen und Ölen untersucht - mit zwiegespaltenem Ergebnis. mehr »

"Abwarten und Teetrinken geht nicht mehr"

Unser London-Korrespondent Arndt Striegler beobachtet die Brexit-Verhandlungen hautnah - und ist verwundert über die May-Regierung, während die Ärzte immer mehr in Panik verfallen. mehr »

Pflege bleibt Problembereich

Der Abrechnungsbetrug im Gesundheitswesen ist 2016 drastisch zurückgegangen. Die erweiterten Kontrolloptionen der Leistungsträger müssen aber erst noch Wirkung zeigen. mehr »