Ärzte Zeitung online, 05.12.2008

Rotes Kreuz: Höchste Eile beim Kampf gegen Cholera in Simbabwe geboten

JOHANNESBURG (dpa). Beim Kampf gegen die Cholera-Epidemie in Simbabwe ist nach Rotkreuz-Angaben wegen der nahenden Regenzeit höchste Eile geboten. "Im Kongo hat die Regenzeit bereits begonnen und die Flüsse anschwellen lassen; die ersten Überschwemmungen in Simbabwe dürften dann erfahrungsgemäß in zwei, drei Wochen zu erwarten sein", sagte der fürs südliche Afrika zuständige Sprecher der Internationalen Rotkreuz-Föderation, Matthew Cochrane.

Die Überschwemmungszeit sei schon unter normalen Bedingungen die Periode, in der wegen des brackigen Wassers eine Häufung von Cholera-Fällen auftrete, so Cochrane in einem Gespräch mit der dpa. Diesmal treffe sie aber auf eine Bevölkerung, deren Abwehrkräfte aus diversen Gründen akut geschwächt seien. "In Simbabwe haben wir es erschwerend mit einer ganzen Menge von Negativfaktoren zu tun; wir sehen uns einer enormen humanitären Herausforderung gegenüber", sagt der 29-jährige Australier.

Das genaue Ausmaß der erforderlichen Hilfe sei bisher noch gar nicht abzuschätzen. Cochrane: "Wir wissen aber, dass wir es bei der Zahl der Opfer nur mit der Spitze des Eisbergs zu tun haben und das Sterben noch lange nicht vorbei ist. Viele Opfer sterben nämlich in entfernten Regionen und gelangen so erst gar nicht in die Statistik."

Simbabwes Rotes Kreuz habe Teams ausgeschickt, um den Bedarf auszuloten. Es gelte nun, die internationale Hilfe zu bündeln und zielgerichtet einzusetzen. Ein Grund für die Verschärfung der Situation sei der Zusammenbruch des öffentlichen Dienstes. Auch der Zugang zu sauberem Trinkwasser werde immer schwerer.

"Es ist eine Art Teufelskreis: Einige der Infizierten werden behandelt und stecken sich dann erneut an." Das nationale Gesundheitssystem werde der Herausforderung nicht mehr gerecht. Viele Ärzte und Krankenschwestern müssten wegen des täglichen Chaos mehr Zeit mit Schlangestehen als mit Arbeiten verbringen.

Der Internationale Rotkreuz-Verband koordiniert die Arbeit der nationalen Rotkreuz-Gesellschaften. Cochrane: "In Simbabwe ist das eine unserer Stärken, da wir dort keine Ausländer, sondern Simbabwer haben, die vor Ort für uns tätig sind."

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