Ärzte Zeitung online, 30.12.2008

Ärzte in Saudi-Arabien verhindern Verheiratung einer Fünfjährigen

RIAD (dpa). Mitarbeiter eines Gesundheitszentrums in der saudi-arabischen Handelsmetropole Dschidda haben die Verheiratung von zwei Mädchen im Alter von fünf und elf Jahren verhindert. Die oberste Kontrolleurin des Zentrums, Hana Harsani, sagte der Zeitung "Al- Watan" (Dienstag), die Mutter der Schwestern habe die Kinder mit zwei Männern aus der Verwandtschaft im Alter von jeweils rund 20 Jahren verheiraten wollen.

Dadurch sollten die Erbansprüche der Mädchen gesichert werden. Sie habe sich jedoch dann von den Ärzten überzeugen lassen, dass es für die Kinder besser sei, noch einige Jahre zu warten, erklärte Harsani. In dem Gesundheitszentrum melden sich Heiratswillige zu der in dem Königreich gesetzlich vorgeschriebenen vorehelichen Untersuchung auf Aids und Erbkrankheiten.

Harsani sprach sich im Interview mit "Al-Watan" für die Einführung eines gesetzlichen Mindestalters für Braut und Bräutigam aus. Die Ärztin sagte, in einem anderen Fall sei es den Mitarbeitern des Zentrums nicht gelungen, einen jungen Mann davon abzuhalten, seine zehn Jahre alte Schwester mit einem 40-jährigen Freund zu verheiraten. Das Waisenmädchen habe nie eine Schule besucht. Der Bräutigam machte sie zu seiner dritten Ehefrau.

Im islamischen Königreich Saudi-Arabien dürfen Männer bis zu vier Ehefrauen gleichzeitig haben. Noch nicht entschieden ist ein Gerichtsverfahren in der Provinz Kasim, in dem eine Mutter von einem Mann verlangt, dass er sich von ihrer acht Jahre alten Tochter scheiden lässt. Das Mädchen war von seinem Vater mit dem Mann verheiratet worden, weil dieser ihm dafür im Gegenzug Schulden erlassen hatte.

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