Ärzte Zeitung online, 02.01.2009

Ex-Firmenchefin bekennt sich in Chinas Melamin-Prozess schuldig

PEKING (dpa). Im Skandal um Melamin-belastetes Milchpulver in China hat sich die frühere Hauptgeschäftsführerin eines Herstellers vor Gericht schuldig bekannt. Tian Wenhua räumte die Produktion und den Verkauf verunreinigter oder minderwertiger Waren ein, wie die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua berichtete. An verunreinigtem Milchpulver verschiedener Hersteller sollen in China mindestens sechs Säuglinge gestorben und fast 300 000 Babys erkrankt sein (wir berichteten).

Der Milchkonzern Sanlu steht im Zentrum des Skandals. Nach Behördenangaben hatte die Firma seit März von der vergifteten Milch gewusst, jedoch erst im September eine nationale Rückrufaktion gestartet. In der vergangenen Woche meldete das Unternehmen Insolvenz an. Neben Tian müssen sich drei weitere frühere Sanlu-Manager vor Gericht verantworten.

Seit vergangener Woche wurden vor dem Gericht in Shijiazhuang im Norden Chinas bereits 17 Mitarbeiter von Milchpulver-Herstellerfirmen angeklagt. Die Urteile stehen noch aus. Xinhua zufolge müssen Schuldiggesprochene mit einer lebenslangen Gefängnisstrafe rechnen.

Tian räumte Medienberichten zufolge ein, seit Mai von Beschwerden über verunreinigtes Milchpulver gewusst zu haben. Sie habe den Verkauf nicht gestoppt, weil sie davon ausgegangen sei, dass die Sanlu-Produkte einer europäischen Norm genügen, nach der 20 tausendstel Gramm Melamin pro Kilo Rohmilch erlaubt seien. Tatsächlich wurde nach Regierungsangaben mehr als hundertmal so viel Melamin gefunden. Mit dem Bindemittel sollte der Eiweißgehalt in Milch und Milchprodukten künstlich erhöht werden.

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