Ärzte Zeitung, 26.02.2009

Schuldenspirale erdrückt Kliniken in Polen

Weil Banken kein Geld mehr gaben, haben fragwürdige Geldgeber Kliniken im Griff

WARSCHAU (sbe). In Polen kommen immer mehr verschuldete Kliniken unter Druck: Die Darlehen von Inkasso-Unternehmen belasten zunehmend die ohnehin angespannten Finanzen der Häuser.

Das berichtet die polnische Tageszeitung "Rzeczpospolita". Die Darlehen der Kliniken sind mit einer Verzinsung von 15 bis 20 Prozent deutlich teurer als die Kredite der Banken, die aber den Kliniken keine Gelder mehr bewilligen. Krankenhäuser gelten nicht mehr als solvente Zahler.

Hintergrund: Krankenhäuser, die insgesamt in Polen mit Milliarden Euro verschuldet sind, haben vor drei Jahren begonnen, Darlehen bei Inkassofirmen aufzunehmen. Grund war das Restrukturierungsgesetz, das im Jahr 2006 in Kraft getreten ist. Es sieht vor, dass die Einrichtungen nur dann staatliche Hilfen erhalten, wenn sie keine Schulden aufweisen, auf die der Gerichtsvollzieher Zugriff hat.

Deswegen versuchten es die Krankenhäuser mit einem Dreh: Sie wandelten ihre kurzfristigen Schulden in langfristige Verbindlichkeiten um, indem sie sich mit den Inkassofirmen verständigten, die von den Gläubigern beauftragt worden waren. Die Inkassounternehmen gewährten den Kliniken weitere Darlehen, um die Zahlungsfähigkeit überhaupt wieder herzustellen. Nun scheint sich dieser Trick als ein Bumerang herauszustellen und belastet die Krankenhäuser noch mehr. Eine staatliche Stelle, die die Verwendung von Steuergeldern prüft, bezweifelt inzwischen, dass dieser Deal mit den Inkassofirmen überhaupt rechtens gewesen ist.

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