Ärzte Zeitung online, 12.03.2009
 

Drei Mitarbeiter von "Ärzte ohne Grenzen" im Sudan entführt - Abzug der verbleibenden Teams

BERLIN/BRÜSSEL/KHARTUM (dpa). Im Sudan sind drei westliche Mitarbeiter der internationalen Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen entführt worden. Darunter befinden sich eine kanadische Krankenschwester, ein italienischer Arzt und ein französischer Koordinator.

Das teilte die deutsche Sektion von Ärzte ohne Grenzen am Donnerstag in Berlin mit. Zwei sudanesische Mitarbeiter seien in der Nacht zum Donnerstag zusammen mit den westlichen Helfern entführt worden, dann aber wieder freigelassen worden.

Ärzte ohne Grenzen kündigten an, nun sämtliche Mediziner-Teams aus den Projekten der Organisation in Darfur abzuziehen. Es solle nur ein Team bleiben, um sich um die verschleppten Kollegen zu kümmern. Die Entführten hätten in Serif Umra in der Provinz Norddarfur für die belgische Sektion der Hilfsorganisation gearbeitet.

Der Generaldirektor der belgischen Sektion der Hilfsorganisation, Christopher Stokes, berichtete, es habe kurz nach der Entführung noch Kontakt zu den Helfern gegeben. "Zu diesem Zeitpunkt hatte man ihnen zu Essen gegeben, sie gut behandelt, und sie waren bei guter Gesundheit." Die Opfer seien "in einem Auto herumgefahren" worden. Seitdem gebe es keinen Kontakt mehr.

Das sudanesische Außenministerium erklärte, es fühle sich verantwortlich für die entführten Helfer und werde alles unternehmen, um deren Freilassung zu erreichen. Gleichzeitig warnte das Ministerium die internationale Gemeinschaft vor den "negativen Folgen der Entscheidung des Internationalen Strafgerichtshofes auf die humanitäre Lage in Darfur".

Die Regierung des afrikanischen Landes in Khartum hatte kürzlich mehreren Sektionen von Ärzte ohne Grenzen sowie zwölf weiteren internationalen Hilfsorganisationen die Arbeitserlaubnis entzogen. Sie reagierte damit auf den internationalen Haftbefehl gegen den sudanesischen Präsidenten Omar al-Baschir. Der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag verdächtigt ihn, in der Region Darfur Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen zu haben. Die UN befürchten, dass ohne die Arbeit der Hilfsorganisationen die Versorgung von mehr als einer Million Menschen in der Region Darfur akut bedroht ist.

Zuletzt waren Helfer von Ärzte ohne Grenzen noch in zwei Projekten in Westdarfur und in fünf Projekten in Norddarfur im Einsatz. Vor einer Woche hatte die Organisation berichtet, dass rund 50 ihrer internationalen und knapp 1000 ihrer sudanesischen Mitarbeiter ihre Arbeit in Darfur beenden mussten.

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