Ärzte Zeitung online, 17.08.2009

Zu viele Patienten unter Drogeneinfluss: lrlands Ärzte fordern Unterstützung

DUBLIN (ast). Akute Versorgungsengpässe in der irischen Notfallmedizin sorgen in der Republik in diesem Sommer für gesundheitspolitische Schlagzeilen. Irische Klinikärzte verlangen vom Dubliner Gesundheitsministerium mehr Unterstützung, um die staatlichen Krankenhäuser Irlands besser auf die Einlieferung von Patienten vorzubereiten, die unter Drogen- oder Alkoholeinfluss stehen.

Die Ärzteschaft sorgt sich in erster Linie angesichts der in den vergangenen zwei Jahren explosionsartig gestiegenen Zahl der kokainabhängigen Patienten.

"Die Unfallstationen in den großen Krankenhäusern sind heute oftmals überfordert, um Patienten nach Alkohol- oder Drogenabusus schnell und kompetent fachärztlich zu versorgen", warnte Dr. Chris Luke (Dublin). Dr. Luke ist einer der bekanntesten irischen Trauma-Experten.

Das Thema ist nicht neu. Immer wieder hatten irische Ärzteverbände in den vergangenen Jahren auf die teilweise prekäre Versorgungslage in der staatlichen Notfallmedizin hingewiesen. Bislang ohne viel Erfolg. Wie aus aktuellen Zahlen des Dubliner Gesundheitsministeriums hervor geht, hat sich die Zahl der unter Drogen- beziehungsweise Alkoholeinfluss stehenden Notfallpatienten in den vergangenen Jahren vervielfacht.

Allein die Zahl der regelmäßig Kokain konsumierenden Patienten in der Republik stieg im vergangenen Jahrzehnt um mehr als 500 Prozent, so Dr. Luke vor Journalisten in Dublin. Und: "Die Zahl der wegen Kokainabhängigkeit fachärztlichen Rat suchenden Patienten hat sich in den vergangenen zehn Jahren versiebenfacht!" Tendenz weiter steigend.

Gleichzeitig sei der Preis für Kokain in den vergangenen 18 Monaten von damals rund 90.000 Euro pro Kilo auf "unter 60.000 Euro pro Kilo" gesunken. Das heize die Nachfrage weiter an. Laut irischem Ärztebund (Irish Medical Organisation, IMO) steht an Wochenenden jeder zweite in die großen irischen Kliniken eingelieferte Notfallpatient unter Drogen- beziehungsweise Alkoholeinfluss.

Die Ambulatorien seien "personell überfordert", um diese steigende Patientenzahl kompetent und schnell notärztlich versorgen zu können. Das gefährde Patientenleben. Ein Sprecher des Gesundheitsministeriums kündigte an, "gemeinsam mit der Ärzteschaft" nach Lösungsmöglichkeiten suchen zu wollen.

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