Ärzte Zeitung online, 27.07.2009

Sofia zahlte Libyen im Aids-Prozess 100 Millionen Dollar für Krankenschwestern

SOFIA(dpa). Bulgarien soll zur Freilassung von fünf Krankenschwestern aus libyscher Haft vor zwei Jahren Tripolis 100 Millionen Dollar gezahlt haben. "Für so viel Geld könnte man im Irak Geiseln freikaufen", kritisierte der vom Parlament bestätigte bulgarische Regierungschef Bojko Borissow nach Medienberichten vom Montag.

Borissow hat damit als erster Vertreter seines Landes zugegeben, dass für die in einem umstrittenen Aids-Prozess in Libyen gemeinsam mit einem palästinensischen Arzt zunächst zum Tode verurteilten und später abgeschobenen fünf Frauen ein Lösegeld gezahlt wurde.

Die damalige von Sozialisten dominierte Regierung in Sofia hatte dagegen offiziell nur den Erlass von Libyens Schulden in Höhe von 56,6 Millionen Dollar (damals 41 Millionen Euro) bekannt gegeben. Das Kabinett unter Sergej Stanischew hatte die Freilassung der Frauen mit der Unterstützung der USA sowie der Europäischen Union (EU) erreicht. Bulgarien war der Union Anfang 2007 beigetreten. Nach internationalem Druck hatte Libyen die Todesstrafen für die fünf Krankenschwestern und einen mit angeklagten palästinensischen Arzt mit bulgarischem Pass in lebenslange Haft umgewandelt.

Die Sechs wurden mit einer französischen Präsidentenmaschine am 24. Juli 2007 nach Bulgarien geflogen. Sie wurden dabei von Cécilia Sarkozy - der damaligen Gattin des französischen Staatsoberhauptes - sowie EU-Außenkommissarin Benita Ferrero-Waldner begleitet. In Sofia wurden sie noch am Flughafen begnadigt.

Libyen hatte sie beschuldigt, mehr als 400 Kinder absichtlich mit dem HI-Virus angesteckt zu haben. Experten hatten dagegen nachgewiesen, dass die Aids-Epidemie in der libyschen Kinderklinik noch vor dem Eintreffen der Bulgarinnen und des Palästinensers wegen der schlechten Hygiene ausgebrochen war.

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