Ärzte Zeitung online, 31.07.2009

Briten bekommen Klarheit über Hilfe zum Selbstmord

LONDON(dpa). Wer seinem todkranken Partner in Großbritannien bei einem Selbstmord helfen möchte, soll künftig genau wissen, ob er deswegen bestraft wird. Das oberste Gericht des Königreichs forderte am Donnerstag eine juristische Klarstellung von den Strafverfolgungsbehörden. Die Ermittler sollen Kriterien festlegen, wann sie rechtliche Schritte gegen Angehörige einleiten, die ihren Partnern beim Selbstmord helfen.

Damit gaben die Lordrichter dem Antrag einer 46 Jahre alten Frau statt, die an Multiple Sklerose leidet und einen Selbstmord in einer Sterbeklinik der Schweizer Organisation Dignitas in Betracht zieht.

Die Frau hatte sich an das Oberste Gericht gewandt, weil sie verhindern wollte, dass ihr Ehemann von der Staatsanwaltschaft verfolgt wird, wenn dieser sie zum Sterben in die Schweiz bringt. Grund für die Unklarheit war, dass in Großbritannien zwar Hilfe zum Selbstmord nicht erlaubt ist und mit 14 Jahren Gefängnis bestraft werden kann, bislang aber niemand verfolgt wurde, der seinen Angehörigen zum Sterben in die Schweiz gefahren hatte.

Die Lordrichter befanden, dass die unklaren Kriterien der Strafverfolger und die damit verbundene Unsicherheit über das Schicksal von Hinterbliebenen einen unzulässigen Eingriff in die Privatsphäre darstellen.

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