Ärzte Zeitung online, 13.08.2009
 

Kinderlose deutsche Paare im Nachteil

LÜBECK/NEUBRANDENBURG (dpa). Beim Kinderwunsch sind ungewollt kinderlose Paare in Deutschland nach Ansicht von Experten deutlich schlechter gestellt als im europäischen Ausland. "Grund dafür ist das Embryonenschutzgesetz, das dringend überholungsbedürftig ist", sagte der Sprecher der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe, Klaus Diedrich, in Lübeck in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur.

Alle europäischen Nachbarländer hätten für künstliche Befruchtungen bereits modernere Gesetze. Das habe auch der jüngste Prozess in Neubrandenburg gezeigt.

Das Landgericht hatte die Klage einer Frau abgewiesen, die nach dem Tod ihres Mannes ein Kind von ihm bekommen wollte und dazu ihre Eizellen und seinen Samen von einer Klinik zurückforderte. Beides war 2008 zur Vorbereitung einer künstlichen Befruchtung eingefroren worden.

Das deutsche Gesetz von 1991 halte mit dem Fortschritt in der Reproduktionsmedizin nicht mehr Schritt. "In den Nachbarländern ist es möglich, dass fünf Eizellen künstlich befruchtet werden und unter dem Mikroskop die am besten geeignete ausgewählt und der Frau eingesetzt wird", erklärt Diedrich, der in Lübeck die Frauenklinik der Universität leitet. Damit steige die Chance auf eine gelungene Schwangerschaft deutlich.

In Deutschland würden bis zu drei Eizellen künstlich befruchtet und der Spenderin ohne Auswahl eingepflanzt. Damit müssten Frauen in Deutschland eine schlechtere Schwangerschaftschance und eine höhere Mehrlingsrate in Kauf nehmen. "In Belgien wollte man auch die Mehrlingsgeburten bei künstlichen Befruchtungen senken", erläuterte Diedrich. Solche Mehrlinge seien oft belastend für die Mutter.

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