Ärzte Zeitung online, 09.09.2009

Kämpferin gegen die Lepra: Ruth Pfau wird 80

KARACHI/HAMBURG (dpa). Seit fast einem halben Jahrhundert bekämpft sie als deutsche Ärztin die Lepra in Pakistan. Hunderttausende verehren sie dort, der frühere Staatspräsident Pervez Musharraf würdigte sie als "Volksheldin". An diesem Mittwoch (9. September) wird die Nonne und Medizinerin Ruth Pfau, geboren in Leipzig, 80 Jahre alt.

Doch nicht nur in Pakistan, auch in Deutschland ist Pfau für ihr Engagement Lob und Anerkennung sicher. "Ohne Ruth Pfau wäre Hilfe für Pakistan nicht möglich gewesen. (...) Sie hat ungezählte Menschen vor dem Tod bewahrt, jetzt gilt es, mehr als zwei Millionen Menschen, die weltweit durch die Lepra entstellt sind, wieder in die Gesellschaft einzugliedern", sagte etwa der Sprecher der Deutschen Lepra- und Tuberkulosehilfe (DAHW), Jochen Hövekenmeier. Auch die Christoffel-Blindenmission unterstützt die Programme der Leipzigerin, um Lepra, Tuberkulose und Blindheit zu bekämpfen.

Schon früh nach ihrem Medizinexamen wurde der Ärztin klar, dass sie nicht den klassischen Karriereweg im deutschen Gesundheitswesen einschlagen würde. Im Frühjahr 1960 machte sie sich auf nach Karachi. Dort traf sie auf Aussätzige. "Ich saß im Elendsviertel am Fluss Lyary abends mit Menschen am Feuer, die am nächsten Tag tot waren", erzählte sie der Deutschen Presse-Agentur dpa. Einige Monate später begann sie mit finanzieller Hilfe aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, das erste Lepra-Krankenhaus Pakistans zu bauen. Pfau reiste durchs Land, suchte Blinde und Lepra-Kranke in ihren Dörfern auf. Ende der 70er Jahre ernannte die pakistanische Regierung sie zur Beraterin. In den 90ern gründete das DAHW die Ruth-Pfau-Stiftung. Sie soll die Arbeit der mehrfach ausgezeichneten Medizinerin bewahren.

Auch mit 80 Jahren denkt die knapp 1,50 Meter große Frau nicht an den Ruhestand: "Weitermachen ist Unsinn, Aufhören noch unsinniger. Also machen wir weiter." Nach Deutschland will Pfau, die seit 1988 Ehrenbürgerin Pakistans ist, noch einmal zurück. Leben will sie in ihrem Geburtsland aber nicht mehr. "Pakistan ist jetzt mein Land. Dort will ich auch begraben sein."

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

38 Prozent mehr psychische Diagnosen bei jungen Erwachsenen

Immer mehr junge Erwachsene leiden unter psychischen Erkrankungen. Allein die Diagnose Depressionen hat um 76 Prozent seit 2005 zugenommen, so der Arztreport 2018. mehr »

Vorhofflimmern schlägt aufs Hirn

Nicht nur ein Risikofaktor für Schlaganfall: Vorhofflimmern ist auch für das Gehirn gefährlich. Angststörungen und kognitive Einschränkungen sind Nebenwirkungen, so eine Studie. mehr »

Gericht urteilt über Diesel-Fahrverbote

Müssen Städte die Feinstaub-Notbremse ziehen und Diesel-Fahrzeuge aus den Innenstädten verbannen? Bejaht das Bundesverwaltungsgericht dies, könnte auch die Gesundheitswirtschaft in die Bredouille kommen. mehr »