Ärzte Zeitung online, 28.09.2009

USA: Immer mehr kostenlose Angebote im Gesundheitswesen via Internet

WASHINGTON/SAN FRANCISCO (dpa). Nach der Musik- und Buchbranche sowie den Medien ist nun das Gesundheitswesen an der Reihe: Immer mehr Angebote werden nach Ansicht des US-Bestsellerautors Chris Anderson künftig umsonst sein. Dies werde möglich, weil Dienste, die bisher Arztpraxen und medizinische Institute offerierten, mit Hilfe des Internets zu Hause abrufbar seien.

Wie in vielen Branchen ändere sich derzeit auch im Gesundheitswesen das Geschäftsmodell grundlegend. Immer mehr Waren und Dienstleistungen würden kostenlos erhältlich sein, wobei sich das Gratis-Modell für die Unternehmen auf Umwegen rechnen würde: über Zusatzangebote, neue Geschäfte, durch Werbefinanzierung oder eine Mischung aus sehr viel kostenlosen und einigen wenigen kostenpflichtigen Produkten.

Da der Kostendruck im Gesundheitswesen in allen Industriestaaten besonders hoch sei, würden solche neuen Geschäftsmodelle in dieser Branche sehr schnell umgesetzt werden, sagte Anderson in einem Gespräch der dpa in San Francisco. Es sei absurd, dass es in den USA - wie in vielen anderen Staaten - keine Arzt- und Klinikdatenbanken gebe, in denen die Informationen über einen Patienten abgerufen werden könnten, meint der Autor von mehreren Büchern über Geschäftsmodelle der Zukunft. "Jedes Mal, wenn man zu einem neuen Arzt geht, beginnen die Untersuchungen ganz von vorne, weil es keinen Zugang zu elektronisch gespeicherten Daten gibt", kritisierte Anderson. "Das ist doch verrückt!" Datenbanken würden Krankheitsgeschichten und Befunde für den behandelnden Arzt transparent und unzählige medizinische Tests und Analysen überflüssig machen, die der Patient schon hinter sich habe, sagte der Chefredakteur der US-Technologiemagazins "Wired".

Medizinische Dienstleistungen wie regelmäßige Kontrollen des Blutdrucks, des Cholesterin- oder Insulinspiegels sowie Genanalysen könnten "mit relativ einfachen Tests" zu Hause durchgeführt werden. In kaum einem anderen Bereich würden so viel Zeit, Aufwand und andere Ressourcen unnötig verschwendet wie im Gesundheitswesen, meinte Anderson. Insbesondere "die laufende Beobachtung des eigenen Gesundheitszustands" sei im Interesse von Vorbeugung und Kostenersparnis wichtig. Viele Tätigkeiten, die bisher von Ärzten, Arzthelferinnen, Schwestern und anderem medizinischen Personal durchgeführt würden, fielen in der Zukunft weg. Auch US-Präsident Barack Obama strebe derzeit mit dem verstärkten Einsatz moderner Technologie im Rahmen der Gesundheitsreform an, die Kosten zu senken.

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