Ärzte Zeitung online, 05.01.2010

Arzt von US-Achtlingsmutter droht Berufsverbot

LOS ANGELES (dpa). Ein Arzt, der einer kalifornischen Frau vor einem Jahr zu Achtlingen verholfen hat, könnte seine Lizenz verlieren. Der staatliche Gesundheitsausschuss wirft dem Mediziner Michael Kamrava bei der Behandlung von Nadya Suleman (34) grobe Fahrlässigkeit vor.

Der Arzt habe einen unnötig großen Vorrat an Embryonen produziert und es unterlassen, den geistigen Zustand seiner Patientin zu prüfen. Die Vorwürfe gegen den Mediziner, der in Beverly Hills eine Fruchtbarkeitsklinik betreibt, wurden nach Angaben der "Los Angeles Times" am Dienstag bereits im Dezember erhoben.

Suleman war elf Jahre lang bei Kavram in Behandlung. In dieser Zeit brachte sie mithilfe künstlicher Befruchtung insgesamt vierzehn Kinder zu Welt, darunter Ende Januar 2009 Achtlinge. Bei der Befruchtung im Juli 2008 war Suleman alleinstehend, arbeitslos und bereits Mutter von sechs Kindern.

Der umstrittene Embryotransfer habe "jedes vernünftige Maß eines Arztes" überschritten, urteilte jetzt die Gesundheitsbehörde. Kavram könnte Berufsverbot erhalten, wenn die Vorwürfe bestätigt werden. Anwalt Peter Osinoff nahm seinen Mandanten in Schutz. Der Arzt sei lediglich den Wünschen seiner Patientin nachgekommen, sagte Osinoff.

Fruchtbarkeitsexperten kritisierten das Einpflanzen einer höheren Zahl von Embryonen, denn diese Prozedur kann zu einer riskanten Mehrlingsschwangerschaft führen. In Deutschland ist ein solcher Eingriff verboten. Nach dem deutschen Embryonenschutzgesetz dürfen Ärzte einer Frau höchsten drei Embryonen pro Zyklus einsetzen. In den USA gibt es dagegen keine gesetzlich festgeschriebene Höchstgrenze. Viele Ärzte halten aber Schwangerschaften mit mehr als zwei Babys für riskant.

In den USA waren zuvor erst einmal Achtlinge geboren worden. Eines der Babys starb 1998 innerhalb einer Woche nach der Geburt im US-Staat Texas. Sulemans Kinder sind die am längsten überlebenden Achtlinge der Welt.

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