Ärzte Zeitung online, 20.01.2010

Warnung vor Gesundheitsfolgen von Gaza-Blockade

GAZA (dpa). Internationale Hilfsorganisationen im Gazastreifen haben am Mittwoch vor gesundheitlichen Folgen der israelischen Blockade für die palästinensische Bevölkerung gewarnt. Eine Koalition von mehr als 80 Organisationen, darunter die Hilfsorganisationen der UN, forderte gut ein Jahr nach dem Gaza-Krieg ein Ende der Sperre.

"Die andauernde Blockade des Gazastreifens untergräbt das Funktionieren des Gesundheitssystems und gefährdet die Gesundheit von 1,4 Millionen Menschen in Gaza", sagte der UN-Koordinator der humanitären Hilfsbemühungen in den Palästinensergebieten, Max Gaylard, am Mittwoch im Schifa-Krankenhaus in Gaza.

Die Blockade verursache eine ständige Verschlechterung der gesundheitlichen Lage in dem Küstenstreifen am Mittelmeer, sagte Gaylard. "Sie behindert die Lieferung von Medikamenten und die Ausbildung medizinischen Personals und es hindert Patienten mit schweren gesundheitlichen Problemen daran, rechtzeitig Spezialbehandlungen außerhalb Gazas zu erhalten", sagte er.

Israel hatte nach der Entführung des Soldaten Gilad Schalit durch militante Palästinenser am 25. Juni 2006 Sanktionen gegen den Gazastreifen verhängt. Nach dem Putsch der radikal-islamischen Palästinenserorganisation Hamas im Juni 2007 wurden diese weiter verschärft. Angesichts des anhaltenden Raketenbeschusses aus dem Gazastreifen verhängte Israel eine fast vollständige Blockade des Gebiets. Diese soll erst nach einer Freilassung Schalits gelockert werden.

Anhaltende Regenfälle in den letzten Tagen haben im Gazastreifen wie im Süden Israels zu schweren Überschwemmungen geführt. Etwa 400 Menschen in einem Flüchtlingslager in der Mitte des Küstenstreifens mussten ihre Häuser verlassen, weil diese überflutet waren. Zahlreiche Tiere, darunter Kühe, Schafe und Esel, ertranken in den Fluten.

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