Ärzte Zeitung, 22.02.2010

Kliniken machen Gewinn mit Arznei-Verkauf

Britische Zeitung: Staatliche Krankenhäuser verkauften Medikamente an Grossisten und ins Ausland

LONDON (ast). Britische Ärzte und Pharmahersteller sind alarmiert, da es in Großbritannien offenbar immer wieder vorkommt, dass staatliche Kliniken verschreibungspflichtige Arzneimittel, die eigentlich für britische Patienten bestimmt sind, an Pharmagroßhändler ins Ausland verkaufen. Von dem Verkauf profitieren vor allem die Kliniken.

Wie die britische Tageszeitung "Daily Mail" berichtete, habe das zum staatlichen Gesundheitsdienst (National Health Service, NHS) gehörende Royal Surrey County Hospital (Guildford) kürzlich Medikamente für umgerechnet rund 5,5 Millionen Euro "an Pharmagrossisten" verkauft. Durch den Verkauf habe die Klinik einen Reingewinn von umgerechnet rund 400 000 Euro erzielt. Die Klinik-Arzneimittel, so die Zeitung, seien dann ins Ausland weiter verkauft worden.

Ein Sprecher der betroffenen Klinik bestätigte die Praktik. Allerdings sei keines der verkauften Arzneimittel knapp gewesen. NHS-Patienten seien durch den Verkauf "nicht geschädigt" worden.

Der britische Pharma-Herstellerverband (Association of British Pharmaceutical Industry, ABPI) reagierte empört. "Es ist unglaublich, dass ein staatliches Krankenhaus Arzneimittel, die für den NHS bestimmt sind, ins Ausland verkauft und sich dadurch bereichert", so ABPI-Sprecher Dr. Richard Barker in London.

Patientenverbände protestierten ebenso wie die ärztlichen Berufsverbände. Inzwischen ist auch das Londoner Gesundheitsministerium eingeschaltet. Ein Ministeriumssprecher bestätigte gegenüber der "Ärzte Zeitung": "Wir kennen die Vorwürfe und wir sind gegen derartige Praktiken. Der Verkauf von Medikamenten durch staatliche Kliniken an Dritte gefährdet die Patientenversorgung."

Unklar ist, ob es sich bei den Vorfällen in Guildford um einen Einzelfall handelt oder ob andere Staatskliniken ebenfalls Medikamente an Großhändler weiterverkaufen, um so ihre Haushaltskassen aufzufüllen. Britische Medien berichten, es handele sich um eine "weit verbreitete Praktik".

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