Ärzte Zeitung online, 08.03.2010

Abtreibungsgegner protestieren in Spanien

MADRID (dpa). Tausende Menschen haben am Sonntag in ganz Spanien gegen die Lockerung des Abtreibungsgesetzes in dem Land protestiert. Die zentrale Demonstration fand unter dem Motto "Ja zum Leben" in Madrid statt.

Die Teilnehmer setzten auf Plakaten Abtreibung mit Terrorismus gleich und forderten die sozialistische Regierung auf, die Reform rückgängig zu machen. An der Kundgebung nahmen auch Politiker der konservativen Volkspartei (PP) teil.

Fast 300 Organisationen von Abtreibungsgegnern hatten zu Protesten in Madrid sowie in Dutzenden anderen Städten in Spanien aufgerufen. Es war bereits die dritte Demonstrationswelle gegen das neue Gesetz.

Das Parlament hatte die Reform vor knapp zwei Wochen verabschiedet. Sie ersetzt die bisher geltende Indikationslösung durch eine Fristenregelung. Danach bleiben Schwangerschaftsabbrüche in Spanien künftig bis zur 14. Woche und in Ausnahmefällen bis zur 22. Woche straffrei. In der katholischen Kirche und in konservativen Kreisen stößt das Gesetz auf heftige Ablehnung. Anfang Juli soll es in Kraft treten.

Nach der bisherigen Gesetzgebung aus dem Jahre 1985 waren Abtreibungen in Spanien grundsätzlich verboten. Nur in Ausnahmefällen waren sie zugelassen, wie nach Vergewaltigungen, bei Missbildungen des Fötus oder bei Gefahren für die physische oder psychische Gesundheit der Schwangeren. Der letzte Punkt hatte einen großen Ermessensspielraum zugelassen. Jedes Jahr werden in Spanien rund 100 000 Schwangerschaftsabbrüche vorgenommen.

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