Ärzte Zeitung online, 27.05.2010

Indische Leihmutter-Zwillinge dürfen nach Deutschland

NEU DELHI (dpa). Die kleinen Zwillinge einer indischen Leihmutter dürfen endlich nach Deutschland. Damit findet der juristische Kampf eines bayerischen Ehepaares nach mehr als zwei Jahren das erhoffte Ende. "Die Visa sind heute ausgestellt worden", bestätigte die Deutsche Botschaft in Neu Delhi am Mittwoch der Nachrichtenagentur dpa.

Das ARD-Hörfunkstudio Südasien hatte unter Berufung auf die Anwältin des bayerischen Ehepaares berichtet, die deutschen Behörden würden eine Einreise ermöglichen.

Die Zwillinge waren Anfang 2008 in Indien von einer Leihmutter geboren worden. Die deutschen Behörden verweigerten den Kindern Reisepässe, da Leihmutterschaften nach deutschem Recht verboten sind. Die Behörden in Indien, wo Leihmutterschaft legal ist, stellten den Kindern nach monatelangen Debatten Reisedokumente aus, die nun von der Botschaft mit deutschen Visa versehen wurden.

Anwältin Kamini Jaiswal sagte, sobald die Zwillinge in Deutschland seien, könnten die Eltern das Adoptionsverfahren beginnen. Nach einer Adoption würden die Kinder automatisch die deutsche Staatsbürgerschaft erhalten.

"Ich fühle Erleichterung für die beiden Kinder, deren Schicksal lange in der Luft hing", sagte Jaiswal der ARD. "Ich bin sehr glücklich, dass die Bundesregierung positiv reagiert hat, indem sie die Visa ausgestellt hat. Das wird eine Menge Probleme lösen." Sie hoffe, dass die Kinder schnell sesshaft würden.

Mitte März hatte das Oberste Gericht in der Hauptstadt Neu Delhi das zuständige Ministerium für Frauen und Kinder dazu aufgefordert, alle "Möglichkeiten zu prüfen", um der Familie aus Bayern zu helfen. Die Richter machten jedoch deutlich, dass es sich dabei um eine "einmalige Aktion aus humanitären Gründen" handele.

Der Vater, der anonym bleiben wollte, hatte der ARD im März gesagt, er habe die Gesetzeslage vor der Geburt der Kinder so interpretiert, dass Leihmutterschaft in Deutschland verboten sei. Seine Kinder seien aber im Ausland zur Welt gekommen. Das Auswärtige Amt weist auf seiner Homepage allerdings ausdrücklich darauf hin, dass Kinder von Leihmüttern im Ausland mit deutschen "Wunscheltern" keine deutsche Staatsangehörigkeit durch Geburt erwerben.

Der Vater hatte seit der Geburt der Kinder in Indien um deren Ausreise nach Deutschland gekämpft. Mitte März hatte er in einem ARD-Interview mit Blick auf die Leihmutterschaft vor Nachahmung gewarnt. Wenn er damals gewusst hätte, was er heute wisse, wäre er nie nach Indien gereist. "Die Schuldgefühle sind natürlich immer da. (...) Diese zwei Jahre, das möchte ich keinem wünschen, was wir da durchgemacht haben und immer noch durchmachen." Allein die Kinder gäben ihm und seiner Ehefrau Kraft.

Lesen Sie dazu auch:
Deutsche Familie in Indien kämpft um ihre Kinder

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

So hoch ist die Lebenserwartung in der Welt

Wer als Junge in Deutschland geboren wird, darf sich im Schnitt auf 78 Jahre freuen. Wie hoch ist die Lebenserwartung in anderen Ländern der Welt? Wir geben die Antwort. mehr »

Pflege-Eigenanteil deckeln!

16:41Viele Bürger beklagen, dass Pflegeheime teuer sind, berichtet die DAK in ihrem Pflegereport. Kassenchef Storm schlägt nun vor, den Eigenanteil zu beschränken. Das entflammt eine neue Debatte über die Pflege-Finanzierung. mehr »

Der Gesundheitsminister will das E-Rezept

Krankenkassen, Ärzte und Apothekerschaft sollen in ihren Rahmenverträgen das elektronische Rezept ermöglichen. Eine gesetzliche Verpflichtung soll bis 2020 stehen. mehr »