Ärzte Zeitung, 11.06.2010

EU-Bürger heißen radikale Warnhinweise vor Rauchen gut

Abschreckende Bilder und Warnhinweise auf Zigarettenpackungen halten drei von vier EU-Bürgern für eine gute Idee. EU-weit rauchen 29 Prozent der Erwachsenen, Gesundheitskommissar John Dalli will diese Zahl drücken.

Von Thomas Friedrich

EU-Bürger heißen radikale Warnhinweise vor Rauchen gut

25 Prozent der erwachsenen Menschen in Deutschland interessiert die Warnbotschaft nicht: sie rauchen.
© Petra Schneider / imago

BRÜSSEL. Die EU-Kommission will ein tabakfreies Europa bis 2012 in öffentlichen Räumen und am Arbeitsplatz erreichen. Vor allem Jugendliche sollen stärker über die gesundheitlichen Gefahren aufgeklärt werden. Dies kündigte EU-Gesundheitskommissar John Dalli kürzlich in Brüssel bei der Vorstellung der Eurobarometer-Umfrage zum Tabakkonsum in der EU an. Dabei wurden EU-weit fast 27 000 Menschen zu ihrer Haltung zum Rauchen befragt, 1550 waren es in Deutschland.

"Ich bin entschlossen alles in meiner Macht stehende zu tun, um den Tabakkonsum in der EU zu reduzieren," sagte Dalli. Dies will der Gesundheitskommissar durch die Revision der Tabakprodukte-Richtlinie bis 2011 auf den Weg bringen. Besorgt sei er vor allem über den Anteil junger Raucher. Europa könne nicht zusehen, wie die junge Generation ihre Gesundheit "verqualme". Jährlich sterben in der EU nach Schätzungen mehr als 650 000 Menschen an den Folgen des Tabakkonsums.

14 Millionen EU-Bürger leiden an durch exzessiven Tabakkonsum verursachten Krankheiten. Aber nicht nur Raucher sind betroffen. 19 000 Todesfälle gehen jährlich auf das Konto von Passivrauchen am Arbeitsplatz oder zu Hause, rechnet die Kommission vor. Ein Viertel der Bürger gibt an, am Arbeitsplatz mit rauchenden Kollegen leben zu müssen.

Drei Viertel der EU-Bürger befürworten laut Umfrage drastische Warnhinweise wie Fotos auf Zigarettenpackungen über die Gesundheitsgefahren. 63 Prozent der Befragten sprachen sich für ein Verbot der Tabakwerbung an Verkaufsstellen aus. Uneins ist die Einschätzung aber darüber, in welchen Bereichen ein Rauchverbot gelten sollte. 65 Prozent der Raucher wollen im eigenen Auto - auch wenn es von Nichtrauchern gefahren wird - weiter rauchen. 45 Prozent der Raucher fordern diese Freiheit auch in Bars und Gaststätten. Unter den Nichtrauchern wollen dies nur 13 Prozent noch zulassen.

Ein gesetzliches Rauchverbot am Arbeitsplatz, in Gaststätten oder Speiselokalen ist in der EU unterschiedlich geregelt. Ein Totalrauchverbot am Arbeitsplatz, in öffentlichen Räumen, Bars und Restaurants besteht derzeit nur in Irland, Großbritannien und Zypern. Italien, Malta, Schweden, Litauen, Finnland, Slowenien, Frankreich, Lettland und die Niederlande haben Einschränkungen des Rauchens geregelt.

In Krankenhäusern besteht Rauchverbot in Österreich, Bulgarien, Dänemark, Griechenland, Portugal, Rumänien, Belgien, Luxemburg, der Slowakei und Spanien und in den meisten deutschen Ländern.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Spahn bringt TSVG im Kabinett auf den Weg

13.25 hDas Kabinett hat heute Morgen den Entwurf des TSVG durchgewunken – mit einigen Änderungen – auch zugunsten der Ärzte. mehr »

Viele falsche Vorstellungen, was Krebs verursacht

Stress, Handystrahlen und Trinken aus Plastikflaschen lösen Krebs aus, denken viele fälschlicherweise. Die wahren Risikofaktoren kennt nur jeder Zweite, so eine Studie. mehr »

Die übersehene Speiseröhren-Entzündung

Lange glaubte man, die eosinophile Ösophagitis komme nur selten vor. Inzwischen zeigt sich: Es gibt immer mehr Patienten mit dieser chronischen Entzündung der Speiseröhre. mehr »