Ärzte Zeitung online, 18.11.2010
 

Nuklearboykott: Iran sieht Gefahr für seine Nuklearmedizin

TEHERAN (eb). Iran und der Westen ringen um das iranische Atomprogramm. Die Verhandlungen sind ins Stocken geraten. Iranische Mediziner fürchten nun, dass durch den Boykott bald keine Radioisotope mehr verfügbar sind - mit drastischen Folgen für Krebspatienten.

Nuklearboykott: Iran sieht Gefahr für seine Nuklearmedizin

Uranbrennstäbe im Kernreaktor: Iran sieht mangels neuen Brennstoffs die Versorgung seiner Nuklearmedizin gefährdet.

© Sven Simon / imago

Einem Bericht der Nachrichtenagentur Associated Press zufolge könnte der Forschungsreaktor in Irans Hauptstadt Teheran schon ab September des nächsten Jahres keine Radionuklide mehr produzieren. Dann seien die Brennelemente verbraucht. Rund 850 000 Krebspatienten im ganzen Land könnten davon betroffen sein.

In dem Reaktor, der mit 20 Prozent angereicherten Uran-Brennelementen arbeitet, wird unter anderem das Radionuklid Iod-131 hergestellt. Das Isotop, das eine Halbwertzeit von rund acht Tagen hat, wird auch zur Radiotherapie von Schilddrüsenerkrankungen eingesetzt.

So fürchten betroffene Patienten, künftig nicht mehr ausreichend behandelt werden zu können. Ghodratollah Ghalavand sagte AP: "Ich habe mit Politik nichts zu tun, ich komme vom Land. Ich weiß nur, dass es nicht gut ist, wenn der Brennstoff ausgeht. Das gefährdet mein Leben."

Der 50-Jährige leidet an Schilddrüsenkrebs und lässt sich in der Teheraner Shariati-Klinik mit Iod-131 behandeln.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Überlebensvorteil bei Übergewicht nur ein Trugschluss?

Übergewicht ist ein kardiovaskulärer Risikofaktor, doch wer schon eine entsprechende Erkrankung hat, lebt länger. Stimmt dieses "Adipositas-Paradox" vielleicht gar nicht? mehr »

Oh, Britannia! Was hat der "Brexismus" aus dir gemacht?

Von wegen Tea Time, Queen und Linksverkehr: Nicht nur der Blick der Briten auf die EU hat sich geändert. Umgekehrt blicken auch Menschen weit außerhalb Europas inzwischen mit Unverständnis auf die Insel. mehr »

Sechs Kassen auf der Kippe – Barmer-Chef fordert Reformen

Dramatischer Zwischenruf: Das wirtschaftliche Gefüge der GKV sei instabil, sagt Barmer Chef Straub. Rund ein halbes Dutzend großer Kassen würden nur noch von der guten Konjunktur getragen. mehr »