Ärzte Zeitung, 10.01.2011

Es gibt kein Menschenrecht auf Abtreibung

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte weist die Klage von drei irischen Frauen ab.

Es gibt kein Menschenrecht auf Abtreibung

Der EGMR in Straßburg: Abtreibung ist kein Menschenrecht.

© dpa

STRAßBURG (mwo). Aus der Europäischen Menschenrechtskonvention, insbesondere dem Recht auf Privat- und Familienleben, lässt sich kein Recht auf Abtreibung ableiten.

Das entschied kürzlich der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) in Straßburg auf drei Beschwerden gegen Irland. Allerdings haben Schwangere Anspruch auf eine zuverlässige gesundheitliche Beratung.

Abtreibung und Hilfe zur Abtreibung ist in Irland seit 1861 verboten und mit lebenslanger Haft bedroht. 1983 wurde dies in einer Volksabstimmung über die Verfassung gleichwertig neben dem Recht auf Leben der Mutter bestätigt.

Danach entschied das oberste irische Gericht, dass Frauen abtreiben dürfen, wenn sonst ihr eigenes Leben bedroht ist. Abtreibungen im Ausland sind seit 1992 straffrei.

Geklagt hatten drei Frauen. Zwei sahen sich in sozialen Notlagen, die dritte hatte einen seltenen Krebs und machte sich Sorgen um ihre eigene Gesundheit und die ihres Kindes.

Im Zwang zur Auslandsreise sah der EGMR eine deutliche psychische und gegebenenfalls auch finanzielle Hürde für alle drei Frauen.

Dies wiege aber nicht so schwer, als dass darin eine "grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung" gesehen werden könne, wie sie die Europäische Menschenrechtskonvention verbiete.

Auch aus dem Recht auf Privat- und Familienleben lasse sich kein generelles Recht auf Abtreibung ableiten, so der EGMR weiter.

Zwar gebe es unter den 47 Zeichnerstaaten der Menschenrechtskonvention nur drei (Andorra, Malta und San Marino), die ein vollständiges Abtreibungsverbot und damit noch strengere Regeln haben als Irland.

Die Konvention verbiete es Irland aber nicht, dem Wunsch der Bevölkerungsmehrheit entsprechend Ausnahmen eng zu begrenzen.

Az.: 25579/05

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Wann das Smartphone für Kinderaugen gefährlich wird

Kleine Kinder sollten lieber mit Bauklötzen spielen als mit Smartphones, raten Augenärzte. Denn: Wenn die Kleinen häufig und lange auf Bildschirme starren, leiden nicht nur ihre Augen. mehr »

Auf Zungenküsse besser verzichten?

Zungenküsse erhöhen offenbar das Risiko für HPV-Infekte und damit auch für Mund-Rachen-Tumoren. US-Experten haben sich das Krebsrisiko jetzt einmal genauer angesehen. mehr »

Demenz in D-Moll

Mit Demenzpatienten im Konzert? Viele Angehörige scheuen das. Das WDR-Orchester bietet beiden eine ganz besondere Konzertreihe - mit drei verschiedenen Formaten. mehr »