Ärzte Zeitung, 21.02.2011

Salzlösung statt Morphium - das ist unmenschlich

STRASSBURG (mwo). Auch Häftlinge haben in Europa Anspruch auf eine ausreichende medizinische Behandlung. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) in Straßburg sprach einem polnischen Untersuchungshäftling 10 000 Euro Schadenersatz zu, weil er nicht ausreichend gegen seine schweren Schmerzen versorgt wurde.

Der heute 55-Jährige war seit einem Autounfall 1998 paraplegisch gelähmt. Wegen schwerer chronischer Rückenschmerzen war ihm eine Morphiumpumpe implantiert worden. 2006 kam er in Untersuchungshaft; er stand unter Verdacht, eine Geldwäscherbande anzuführen. Fast drei Jahre lang wurde im Gefängnis seine Morphiumpumpe nur mit einer Salzlösung befüllt; gegen seine Schmerzen bekam er Tabletten oder Spritzen. Die polnischen Gerichte holten kein einziges ärztliches Gutachten ein, ob die Schmerzbehandlung ausreicht. 2009 wurde der Mann entlassen.

Seine Klage hatte in Straßburg Erfolg. Die polnischen Behörden und Gerichte hätten dem Gesundheitszustand des Häftlings keine ausreichende Beachtung geschenkt, befand der EGMR. Dies verstoße gegen das in der Europäischen Menschenrechtskonvention verankerte Verbot einer unmenschlichen oder erniedrigenden Behandlung.

EGMR, Az.: 2627/09

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Jede achte Frau braucht nach der Geburt Antidepressiva

Etwa elf Prozent aller Frauen leiden im ersten Jahr nach der Geburt an Depressionen. Unter jungen Frauen im Alter von 15 bis 19 Jahren ist der Anteil fast doppelt so hoch. mehr »

Die Malaria-Gefahr wächst

Weltweit steigen Erkrankungszahlen an Malaria seit zwei Jahren wieder. Es trifft nicht nur Kinder in Entwicklungsländern, sondern auch Reisende aus Deutschland. mehr »

„Mütter sind die zentralen Ansprechpartner“

In dieser Woche werben Urologen für die HPV-Impfung. Vor allem bei Jungen besteht Nachholbedarf. Wie sie für eine Impfung gewonnen werden sollen, erklärt der Vorsitzende des Berufsverbandes Dr. Axel Schroeder. mehr »