Ärzte Zeitung, 22.02.2011

Kommentar

Überraschung auf der Insel

Von Helmut Laschet

Großbritanniens Ärzte sind immer für eine Überraschung gut. Was würden die deutschen Kollegen wohl sagen, wenn eine Regierung die Entmachtung der Gesundheitsbürokratie ankündigen und den niedergelassenen Ärzten mehr Einfluss auf den Zugriff von Kliniken, Fachärzten und Pflegeeinrichtungen verschaffen würde?

In Deutschland würde das begrüßt werden. Nicht so in Großbritannien. Trotz alt bekannter gravierender Mangelerscheinungen gilt der britische Nationale Gesundheitsdienst (NHS) als sakrosankt. Eine völlig andere medizinische und gesundheitspolitische Kultur als in Deutschland.

Dennoch lohnt für uns der Blick über den Kanal. Warum? Im Lauf dieses Jahres soll ein Versorgungsgesetz entstehen mit neuen Regelungen für die Bedarfsplanung. Möglich ist, dass Länder, Landkreise und Kommunen künftig mehr mitbestimmen wollen.

Neben den Ärzten und den Krankenkassen sitzen dann weitere Institutionen am Planungstisch. Das führt zweifellos zu mehr staatlichem Einfluss, zu komplexeren bürokratischeren Entscheidungsprozessen und Interessen, die jenseits der Medizin liegen. Im britischen NHS kann das besichtigt werden. Die Frage ist, ob deutsche Ärzte und Patienten dies wollen.

Lesen Sie dazu auch:
Eine Gesundheitsreform gegen Bürokraten

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Jede achte Frau braucht nach der Geburt Antidepressiva

Etwa elf Prozent aller Frauen leiden im ersten Jahr nach der Geburt an Depressionen. Unter jungen Frauen im Alter von 15 bis 19 Jahren ist der Anteil fast doppelt so hoch. mehr »

Die Malaria-Gefahr wächst

Weltweit steigen Erkrankungszahlen an Malaria seit zwei Jahren wieder. Es trifft nicht nur Kinder in Entwicklungsländern, sondern auch Reisende aus Deutschland. mehr »

„Mütter sind die zentralen Ansprechpartner“

In dieser Woche werben Urologen für die HPV-Impfung. Vor allem bei Jungen besteht Nachholbedarf. Wie sie für eine Impfung gewonnen werden sollen, erklärt der Vorsitzende des Berufsverbandes Dr. Axel Schroeder. mehr »