Ärzte Zeitung online, 18.05.2011

US-Kliniken: Sterberate am Wochenende erhöht

Wird man am Wochenende in Kliniken schlechter versorgt als in der Woche? Darauf deuten Daten aus den USA. Auf Deutschland seien die Daten nicht übertragbar, so der Notfallmediziner Peter Sefrin.

US-Kliniken: Sterberate am Wochenende erhöht

Die Notfallversorgung läuft in den USA anders ab als in Deutschland.

© McPHOTO / imago

BOSTON/WÜRZBURG (eis). In der US-Studie war die Sterberate der Patienten mit Notaufnahme am Wochenende im Vergleich zu Aufnahme an Wochentagen um zehn Prozent höher. Daten aus Deutschland gibt es dazu nicht. Die US-Daten ließen sich aber nicht unbedingt auf uns übertragen, betont Professor Peter Sefrin.

In der aktuellen Studie wurden Notaufnahmen von 20 Prozent aller US-Kliniken aus den Jahren 2003 bis 2007 analysiert (Arch Surg 2011; 146: 545). Daten von knapp 30 Millionen Patienten lagen vor, gut jeder fünfte davon war an einem Wochenende in die Klinik gekommen.

Die Sterberate der Notfallpatienten bei Aufnahme an einem Wochentag betrug dabei 2,3 Prozent im Vergleich zu 2,7 Prozent am Wochenende. Insgesamt ergab sich eine um relative 10,5 Prozent erhöhte Sterberate bei Wochenendaufnahme.

Bei 15 von 26 Hauptdiagnosen war die Mortalität am Wochenende erhöht: Von Infektionen über Herzkreislauf- und Atemwegserkrankungen bis hin zu Magen-Darmleiden, Vergiftungen und psychischen Erkrankungen.

Die größten Unterschiede in der Sterberate ergaben sich bei myeloproliferativen Erkrankungen, bei Schwangerschafts- und Geburtshilfe und gynäkologischen Komplikationen. Konkrete Gründe für die erhöhte Sterberate am Wochenende ließen sich zwar nicht belegen, vermutet werden aber Faktoren wie weniger Personal und weniger angebotene Dienstleistungen.

So war in einer anderen US-Studie die Zahl der Patienten pro Schwester in Allgemeinkrankenhäusern mit der 30-Tages-Sterberate der Betreuten verglichen worden (JAMA 2002; 288: 1987). Mit jedem Patienten mehr, den eine Schwester pflegen musste, wuchs die Sterberate um 7 Prozent.

Große Unterschiede zu Deutschland sieht Sefrin bei der präklinischen Notarzt-Versorgung, die es in den USA so nicht gebe, sagte er der "Ärzte Zeitung". Hier sei die Versorgung am Wochenende genauso gut wie werktags. Auch könnten bei uns Patienten bei Problemen schneller als in den USA in Spezialkliniken verlegt werden.

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