Ärzte Zeitung online, 24.05.2011

WHO: Pocken bleiben zur Forschung erhalten

GENF (dpa). Die beiden letzten großen und bekannten Bestände an Pockenviren in den USA und in Russland werden zunächst nicht vernichtet.

Darauf hat sich die Jahreskonferenz der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Genf am Dienstag verständigt, wie ein Sprecher mitteilte.

Über einen Zeitpunkt der Vernichtung soll erst auf einer der nächsten Jahresversammlungen in drei Jahren, also 2014, entschieden werden. Bis dahin soll auch geprüft werden, inwieweit Forschungen etwa für Impfstoffe einen Bestand überflüssig machen könnten.

Das Thema wird seit fünf Jahren kontrovers diskutiert. Die USA hatten argumentiert, die Bestände könnten zur Entwicklung von Impfstoffen herangezogen werden.

Dies könne etwa bei einem Unfall mit den noch vorhandenen Beständen oder aber durch terroristische oder kriegerische Handlungen nötig werden. Die Bestände lagern im US-Bundesstaat Georgia und in Sibirien.

Im Jahr 2005 war der 25. Jahrestag der weltweiten Ausrottung der Pocken. Das gilt als einer der größten Erfolge des öffentlichen Gesundheitswesens in der Weltgeschichte und ist die einzige Infektionskrankheit, die bisher von der Menschheit eliminiert werden konnte.

Im Mai 1980 erklärte die Weltgesundheitsversammlung, dass die Welt von natürlich auftretenden Pocken befreit wurde.

Die Ausrottung dieser Krankheit wurde durch internationale Impfungsprogramme, globale Krankheitsüberwachung und Logistiksysteme des öffentlichen Gesundheitswesens ermöglicht. Seit dieser Erklärung ist kein einziger Fall von Pockeninfektion mehr gemeldet worden.

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