Ärzte Zeitung, 07.07.2011

Briten-Tombola: Künstliche Befruchtung per Los

Skurriles von der Insel: Eine Tombola verlost in Großbritannien eine künstlichen Befruchtung. Ärzte sind entsetzt, die Verlosung trivialisiere menschliches Leben. Die Regierung bleibt gelassen, sie sieht keinen Grund einzuschreiten.

Von Arndt Striegler

Künstliche Befruchtung per Losgewinn - das macht britische Ärzte nicht glücklich

Freude über Hauptgewinn? In Großbritannien wird eine IvF verlost.

© Monkey Business / fotolia.com

LONDON. Das Londoner Gesundheitsministerium plant keine rechtlichen Schritte, um eine kontroverse neue Tombola zu stoppen, bei der Spieler eine künstliche Befruchtung gewinnen können.

Für umgerechnet rund 25 Euro Einsatz kann demnächst jederman eine In vitro Fertlisation (IvF) gewinnen. Britische Ärzte beobachten das mit Interesse und Sorge.

Lose für die von der Organisation "To Hatch" (übersetzt: zu schlüpfen) organisierte IvF-Tombola können von Ende Juli an im Internet zum Stückpreis von umgerechnet rund 25 Euro gekauft werden. Mitmachen kann jeder.

Als erster Preis der monatlichen Ziehung winkt eine künstliche Befruchtung in einer britischen Privatklinik im Wert von umgerechnet rund 28.000 Euro.

Lange Wartezeiten für die IvF auf Staatskosten

Derzeit ist es in Großbritannien so, dass der staatliche Gesundheitsdienst (National Health Service, NHS) IvF-Behandlungen lediglich für Patientinnen bis maximal 45 Lebensjahre anbietet. Außerdem gibt es lange Wartelisten für künstliche Befruchtungen auf Staatskosten.

Die aktuellen Kürzungen des Gesundheitsetats haben diese Versorgungsengpässe bei IvF weiter verschlimmert. Viele NHS-Kliniken haben ihre IvF-Programme entweder ganz gestrichen oder deutlich gekürzt, da weniger Geld zur Verfügung steht.

"Wir möchten allen Patienten die gleichen Chancen auf ein Baby geben", sagte eine Sprecherin der nicht-profitorientierten Organisation "To Hatch". Einzige Einschränkung für einen Loskauf sei ein Mindestalter von 16 Jahren.

Sollte die Verlosung beliebt und erfolgreich sein, denke man über 14tägige Ziehungen nach. Überschüsse würden wohltätigen Zwecken zugeführt, hieß es.

Ärzte skeptisch, Regierung gelassen

Während das Londoner Gesundheitsministerium offenbar keine Einwände hat, beobachten britische Ärzte diese neue Form des Glücksspiels mit Interesse und auch mit Sorge.

Eine Blitzumfrage der "Ärzte Zeitung" bei Londoner Medizinern ergab, dass viele Ärzte offenbar Bedenken haben. "Die Verlosung von IvF-Behandlungen im Internet trivialisiert menschliches Leben", so der Londoner Kliniker Dr. Alastair Teague.

Freilich: die IvF-Versorgungsengpässe seien "ein ernsthaftes Problem" für den NHS. Das Londoner Gesundheitsministerium sieht nach eigenen Angaben "derzeit keinen Handlungsbedarf", gegen die Organisatoren der Baby-Tombola rechtlich vorzugehen.

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