Ärzte Zeitung online, 30.08.2011

Großbritannien: Schärfere Regeln bei Abtreibungen

LONDON (ast). Britische Ärzte sind offenbar geteilter Meinung angesichts neuer Pläne der Londoner Regierung, das Abtreibungsgesetz zu verschärfen. Das hat eine Blitzumfrage der "Ärzte Zeitung" bei britischen Medizinern gezeigt.

Hintergrund ist, dass das Londoner Gesundheitsministerium laut Presseberichten offenbar eine Verschärfung der derzeit gültigen Bestimmungen für Schwangerschaftsabbrüche plant.

Wie die große britische Sonntagszeitung "Sunday Telegraph" jetzt unter Berufung auf gut informierte Kreise in der Regierung Cameron berichtete, sei geplant, abtreibungswillige Patientinnen zukünftig zu einem "unabhängigen Beratungsgespräch" zu zwingen, bevor sie die Schwangerschaft abbrechen können.

Zwar ist es schon heute so, dass abtreibungswillige Patientinnen vor dem Abbruch ein Gespräch mit einem Arzt oder mit einer Fachorganisation wie "Marie Stopes" oder "British Pregnancy Advisory Service" führen müssen.

Da diese Organisationen aber gleichzeitig auch Abtreibungen anbieten und vornehmen, sehen Kritiker einen Gewissenskonflikt.

Zukünftig, so die Pläne der Regierung, sollte das Beratungsgespräch von einer Person oder Organisation vorgenommen werden, die selbst keine Schwangerschaftsabbrüche anbiete.

Freilich: innerhalb der britischen Ärzteschaft löste das eine Debatte über das geltende Abtreibungsgesetz - eines der liberalsten West-Europas - aus. Zahlreiche von der Ärzte Zeitung kontaktierten Mediziner sehen keinen Handlungsbedarf.

"Ich bezweifel, dass das sinnvoll ist", so der Londoner Klinikarzt Dr. Alastair Teague. "Die Zahl der Abtreibungen wird dadurch jedenfalls nicht sinken."

Jährlich lassen in Großbritannien laut offiziellen Statistiken rund 202 000 Patientinnen ihre Schwangerschaft abbrechen.

Befürworter strengerer Regeln sagen, dass diese Zahl um jährlich bis zu 60 000 Abtreibungen reduziert werden könne, sollten neue Bestimmungen für Vorab-Beratungsgespräche kommen.

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