Ärzte Zeitung, 10.09.2011

Ausschlusskriterien für Blutspende in Großbritannien gelockert

In Großbritannien können Männer, die Sex mit Männern haben, erstmals - mit Einschränkung - Blut spenden.

LONDON (ple). Das britische Gesundheitsministerium hat entschieden, Männer, die Sex mit Männern (MSM) haben, nicht mehr lebenslang von der Blutspende auszuschließen.

Den neuen Kriterien zufolge dürfen die Männer künftig Blut spenden, wenn sie mindestens ein Jahr lang keinen Sex mit einem anderen Mann hatten und die übrigen Kriterien für eine Blutspende erfüllen.

Diese Änderung der Ausschlusskriterien - auf Empfehlung des Beratergremiums für die Sicherheit von Blut-, Gewebe- und Organspenden (SaBTO)-tritt in England, Wales und Schottland am 7. November 2011 in Kraft, wie das Gesundheitsministerium NHS mitteilt.

Männer, die in den zwölf Monaten vor der geplanten Blutspende analen oder oralen Verkehr mit oder ohne Kondom hatten, würden weiterhin von der Blutspende ausgeschlossen.

Durch die Änderung der Kriterien werde die Sicherheit der Blutspenden nicht gefährdet, wird Dr. Lorna Williamson, Medizinische Leiterin des für Blut- und Organspenden zuständigen NHS Blood and Transplant, zitiert.

In Deutschland sind MSM nach den aktuellen Richtlinien zur Gewinnung von Blut und Blutbestandteilen und zur Anwendung von Blutprodukten (Hämotherapie) von Mitte 2010 dauerhaft von der Blutspende ausgeschlossen.

Wie es in einem Tätigkeitsbericht der Bundesärztekammer (BÄK) heißt, muss das Thema "Blutspendeausschluss von Männern, die Sexualverkehr mit Männern haben" erneut bewertet werden. Geplant sei, eine entsprechende Neubewertung bis Ende des Jahres abzuschließen.

Der Wissenschaftliche Beirat des Arbeitskreises "Richtlinie Hämotherapie" weist in seinen Erläuterungen zum Blutspende-Ausschluss von Männern, die Sex mit Männern haben, unter anderem darauf hin, dass Daten des Robert Koch-Instituts zufolge HIV-Neuinfektionen bei MSM im Vergleich zu heterosexuellen Männern etwa 100-fach häufiger sind. Dies werde durch die Analyse der tatsächlichen HIV-Übertragungen durch Blutprodukte bestätigt.

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