Ärzte Zeitung online, 15.09.2011

Kindersterblichkeit weltweit gesunken

KÖLN (dpa/nös). Die weltweite Kindersterblichkeit ist in den vergangenen 20 Jahren um 35 Prozent gesunken. Das teilte das UN-Kinderhilfswerk Unicef am Donnerstag in Köln mit.

1990 starben weltweit jeden Tag 33.000 Kinder unter fünf Jahren. Im vergangenen Jahr hatte sich diese Zahl auf 21.000 verringert. Aufs Jahr gesehen starben 1990 zwölf Millionen, 2010 noch 7,6 Millionen Kinder.

Allerdings: Nach Angaben der Vereinten Nationen ist die weltweite Fertilitätsrate im gleichen Zeitraum von im Durchschnitt 3,04 Kindern pro Frau auf 2,52 gesunken.

In den Industrienationen ist sie mit im Durchschnitt 1,66 zwischen 1990 und 2010 identisch geblieben. Deutlich eingebrochen ist sie in den wenig und am wenigsten entwickelten Regionen (3,39 auf 2,68 bzw. 5,74 auf 4,41).

Die reduzierte Kindersterblichkeit sei natürlich ein Erfolg, sagte Unicef-Sprecher Rudi Tarneden. Er erinnerte aber daran, dass sich die Vereinten Nationen und andere Organisationen im Jahr 2000 in den Millenniumszielen vorgenommen hatten, die Kindersterblichkeit bis 2015 um zwei Drittel zu senken. Dieses Ziel werde jedoch nicht erreicht werden.

Das Risiko für Kinder, an vermeidbaren oder behandelbaren Krankheiten zu sterben, ist in afrikanischen Ländern südlich der Sahara am höchsten.

Zwar gebe es auch hier beachtliche Fortschritte, doch sterbe in der Region immer noch jedes achte Kind unter fünf Jahren. "Das ist 17 Mal mehr als der Durchschnitt von entwickelten Regionen", sagte Tarneden. Dort ist es nur jedes 143. Kind.

Unterernährung eines der Hauptprobleme

Die meisten Todesfälle bei Kindern sind auf vier Ursachen zurückzuführen: Lungenentzündung (18 Prozent), Durchfallerkrankungen (15 Prozent), Frühgeburtskomplikationen (12 Prozent) und Erstickungstod bei der Geburt aufgrund mangelnder ärztlicher Betreuung (9 Prozent).

Jeder dritte Todesfall bei Kindern hängt mit Unterernährung zusammen. Allein in Somalia seien derzeit 160.000 Kinder akut bedroht, sagte Tarneden.

Viele Entwicklungsländer etwa in Asien haben ihre wirtschaftliche Lage in den letzten 20 Jahren stark verbessert. Aber nach Unicef-Angaben profitieren davon die ärmsten Kinder aus ländlichen Gebieten nur wenig.

Sie haben oft ein doppelt so hohes Risiko, vor ihrem fünften Geburtstag zu sterben, als Gleichaltrige in den Städten oder in wohlhabenderen Familien.

Besonders Neugeborene und Säuglinge müssten stärker in den Fokus gerückt werden, forderte Unicef. Denn bei ihnen gebe es die mit Abstand meisten Todesfälle.

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