Ärzte Zeitung, 01.11.2011

Oft keine preiswerten Arzneien für Schwellenländer

BERLIN (wul). Etliche Pharmaunternehmen stellen immer weniger ermäßigte Medikamente für Länder mit mittlerem Einkommen bereit. "Dieser Trend ist besorgniserregend", sagte Tido von Schoen-Angerer, Direktor bei der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen, auf dem World Health Summit in Berlin.

Das treffe vor allem die Patienten aus Ländern wie Indonesien, Kolumbien, Thailand und Brasilien. Dort verhandeln die Pharmaunternehmen von Fall zu Fall mit einzelnen Ländern, was zu hohen Preisen beispielsweise bei HIV/Aids-Medikamenten führe.

Das bedroht aus Sicht der Hilfsorganisation die Nachhaltigkeit der nationalen HIV/AIDS-Behandlungsprogramme.

"Medicines Patent Pool"

Ein Beispiel für diesen Trend ist nach Angaben von Schoen-Angerer ein im vergangenen Sommer veröffentlichter Lizenzvertrag zwischen einem Pharmaunternehmen und dem internationalen Medikamenten-Patentpool.

Die Idee des "Medicines Patent Pool" ist, dass Arzneimittelhersteller, Universitäten und Forschungseinrichtungen ihre Patente auf antiretrovirale Medikamente in einem Pool den Generikaherstellern gegen eine Lizenzgebühr zur Verfügung stellen.

29 Staaten beteiligt

Der Patentpool ist auf Initiative von UNITAID, einer von 29 Staaten getragenen Organisation, 2010 gegründet worden und soll helfen, Generika bereitzustellen.

"Doch viele Schwellenländer und damit eine große Zahl an Menschen mit HIV sind von diesem Lizenzvertrag ausgeschlossen", kritisierte Schoen-Angerer.

"Für Länder mit mittlerem Einkommen sehr problematisch"

"Es ist eine Herausforderung, die Hersteller zu überzeugen, Lizenzen für alle Länder mit schwachem und mittlerem Einkommen zur Verfügung zu stellen. Insbesondere ist es für Länder mit mittlerem Einkommen sehr problematisch", so Ellen T'Hoen, Geschäftsführerin des "Medicines Patent Pools".

Positiv zu bewerten sei, dass die Lizenz zwei vielversprechende Medikamente und ein Kombinationspräparat einschließt, die sich gegenwärtig noch in der Entwicklung befinden.

Sie erlaube auch den Export von Medikamenten in Länder, die aus dem Lizenzvertrag ausgeschlossen wurden, wenn deren Regierungen beschließen, Patente mit Zwangslizenzen außer Kraft zu setzen.

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