Ärzte Zeitung, 02.11.2011

Kassenbeiträge in der Schweiz legen nur mäßig zu

BERN (fst). Die Krankenversicherung der Schweizer wird im kommenden Jahr im Durchschnitt 2,2 Prozent teurer. Das hat das Schweizerische Bundesamt für Gesundheit (BAG) mitgeteilt.

Offensichtlich zeigt der Sparkurs im Nachbarland Wirkung. Im vergangenen Jahr waren die Prämien noch durchschnittlich um 6,5 Prozent gestiegen. Die Prämien für Kinder werden 2012 um im Schnitt 1,4 Prozent steigen.

1996 haben die Schweizer die Finanzierung der obligatorischen Krankenversicherung völlig neu geordnet. Seitdem zahlen die Eidgenossen - Erwachsene und Kinder - eine Art Gesundheitsprämie, deren Höhe je nach Kanton, Alter und Versicherungsunternehmen aber stark variiert.

Selbstbehalt von 228 Euro pro Jahr

Im kommenden Jahr zahlt ein Erwachsener im Kanton Zürich für seine Grundsicherung je nach gewähltem Krankenversicherer zwischen 333 (253 Euro) bis 540 Franken (410 Euro) pro Monat. Enthalten ist darin ein Selbstbehalt von 228 Euro pro Jahr.

In den vergangenen 15 Jahren ist die Krankenversicherung im Schnitt um 5,3 Prozent teurer geworden. Das hat vor allem Familien immer öfter in finanzielle Bedrängnis gebracht.

Fast jeder Dritte erhält finanzielle Unterstützung

Mittlerweile erhält fast jeder dritte der rund 7,8 Millionen Schweizer finanzielle Unterstützung, um seine Krankenversicherung zahlen zu können.

Die Bundesregierung in Bern und die Kantone zahlen im laufenden Jahr umgerechnet drei Milliarden Euro für sogenannte Prämienverbilligungsprogramme.

Der für das Gesundheitswesen zuständige Bundesrat Didier Burkhalter kündigte trotz der mäßigen Prämienerhöhung weitere "grundlegende Reformen" an.

[03.11.2011, 11:11:57]
Herbert Holliger 
Trügerische Ruhe vor dem nächsten grossen Sturm
Bei den Krankenversicherungsprämien sagen Durchschnittswerte leider besonders wenig aus, da die individuellen Unterschiede sehr groß sind. Auch diesmal haben viele Versicherte Steigerungen von über zehn Prozent zu verkraften, was bei einer Familie mehrere Tausend Euros ausmachen kann. Und dies, obwohl die Prämien – gemäß Ihren Angaben – innerhalb der letzten 15 Jahre in der Schweiz um fast 80 Prozent gestiegen sind!
Der Ihrer Meinung nach wirksame «Sparkurs» wird übrigens keineswegs nachhaltig sein, da bereits nächstes Jahr wiederum massive Prämiensteigerungen zu erwarten sind. Die Schweiz führt nämlich auf Anfang 2012 mit einer völlig neuen Spitalfinanzierung und Kostenverteilung zwischen Kantonen und Versicherern auch gleich noch die in Deutschland bekannten und zweifellos patientenfeindlichen Fallpauschalen ein. Dies wird sicher mindestens im administrativen Bereich hohe Mehrkosten verursachen und leider – wie anfänglich selbstverständlich standfest behauptet – kaum Kosteneinsparungen bringen. zum Beitrag »

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