Ärzte Zeitung, 23.11.2011

Schlechte Noten für britische Hausärzte

Schlechte Noten für britische Hausärzte

Viele Patienten in England sind nicht überzeugt von ihren Hausärzten - sie suchen immer öfter Hilfe in Kliniken. Ihr Vorwurf: Die meisten Hausärzte verrichten nur Dienst nach Vorschrift.

Von Arndt Striegler

LONDON. Britische Hausärzte arbeiten immer öfter nur noch wochentags zwischen 9 und 17 Uhr. Das frustriert ihre Patienten. Wie aus einer neuen Untersuchung des britischen Ärztebundes hervor geht, geben Patienten ihren Hausärzten durchgehend schlechte Noten.

In der Befragung von Patienten des staatlichen Gesundheitsdienstes (National Health Service, NHS) des Ärztebundes (British Medical Association, BMA) sinkt sowohl das Ansehen des Hausarztberufes bei den Patienten als auch deren Vertrauen in die hausärztliche Kompetenz.

Viele Hausärzte verrichten Dienst nach Vorschrift

In Zahlen: Sechs von zehn Patienten erklären, ihr Hausarzt verrichte lediglich "Dienst nach Vorschrift". Das stört die Patienten - und sie suchen Auswege: Immer öfter konsultieren deshalb Hausarztpatienten anstatt des Hausarztes lieber den Notarzt im örtlichen Krankenhaus.

Nach Angaben des Ärztebundes BMA ist das ein klares Zeichen, dass die Patienten das Vertrauen in die hausärztliche Versorgung verloren hätten.

Im Krankheitsfall lieber in die Klinik als in die Praxis

Ebenfalls negativ wird bewertet, dass lediglich zwischen 40 und 50 Prozent der Hausärzte im NHS-System über pädiatrische Fachkenntnisse verfügen. Das sei "schlecht", da Kinder rund 25 Prozent der Patienten in staatlichen Hausarztpraxen ausmachten.

"Patienten werden Tag und Nacht, wochentags sowie an Wochenenden krank", so ein BMA-Sprecher in London. "Wenn Hausärzte nur noch montags bis freitags zwischen 9 und 17 Uhr für ihre Patienten da sind, dann wundert es wenig, wenn Patienten im Krankheitsfall lieber in die Klinik anstatt in die Hausarztpraxis gehen."

Verursachen die Sparmaßnahmen die Verschlechterung?

Der BMA-Report, den der Ärztebund gemeinsam mit dem "Royal College of General Practitioners" (RCGP) erstellt und kürzlich in London präsentiert hat, sorgt im Königreich für gesundheitspolitische Schlagzeilen.

Beobachter sehen einen direkten Zusammenhang zwischen den Sparmaßnahmen im Gesundheitswesen und der sich verschlechternden primärärztlichen Versorgung.

Die Regierung von Premierminister David Cameron hat als Folge der wirtschaftlich schlechten Lage mehrstellige Millionenbeträge aus dem NHS-Etat streichen müssen. Das trifft sowohl die staatlichen Hausarztpraxen als auch die Kliniken.

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[24.11.2011, 16:26:23]
Prof. Dr. Volker von Loewenich 
Britische Hausärzte
Hierzu eine skurille aber wahre Anekdote, mitgeteilt von einer Deutschen, die in London lebt, es aber vorzog, Ihr Kind in Deutschland zu gebähren:
Ein Freund dieser Dame hatte heftige Ohrenschmerzen. Er kontaktierte den General Practician, bei dem er eingeschrieben war. Es wurde ein Termin in drei Wochen angeboten. Hinweis auf unerträgliche Ohrenschmerzen halfen nichts. In seiner Not erinnerte er sich einer befreundeten Tierärztin. Diese schaute mit ihrem Katzen-Otoskop in das schmerzende Ohr, stellte eine hochakute Otitis media fest, verschrieb ein Antibiotikum (das der Patient in diesem Falle gerne selbst bezahlte), und dem Manne war geholfen.
Daher: wenn man das Pech hat im U.K. zu erkranken, notfalls auch an Tierärzte denken.
Ulla Schmidt, unvergessene Gesundheitsministerin, hatte bekanntlich das Gesundheitssystem des UK als für uns vorbildlich gepriesen. Es paßte so schön zu ihrer Ideologie.
Prof. Dr.med. Volker v. Loewenich, Frankfurt a.M. zum Beitrag »

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