Ärzte Zeitung, 14.12.2011
 

Bürokratie frisst Geld für Krebstherapien auf

Schlechtes Zeugnis für das britische Gesundheitswesen: Krebspatienten werden auf der Insel schlechter versorgt als in anderen westlichen Staaten. Grund soll die überbordene Bürokratie sein.

Bürokratie frisst Gelder für Krebstherapien auf

NHS-Klinik in Norwich: Wegen der hohen Verwaltungsausgaben im britischen Gesundheitswesen fehlt es in der Onkologie.

© Jason Bye / epa / dpa

LONDON (ast). Krebspatienten in Großbritannien haben deutlich schlechteren Zugang zu Therapien als Krebspatienten in Deutschland und anderen westlichen Industrieländern.

Außerdem liegt die Krebs-Mortalität "deutlich über dem Durchschnitt". Das stellten Experten in einer Studie zur onkologischen Versorgung im Königreich fest.

Wie die Organisation for Economic Cooperation and Development (OECD) in ihrer Untersuchung heraufand, ist die Krebsmortalität in Großbritannien deutlich höher als in vergleichbaren anderen Ländern.

Die OECD verglich Daten aus 34 Ländern. Großbritannien schneidet dabei schlechter ab als Deutschland, Frankreich, Slowenien und die Tschechische Republik.

Interessant: die Organisation wies darauf hin, dass die Gesundheitsausgaben in Großbritannien in den vergangenen 15 Jahren zwar "deutlich stärker" gestiegen seien als in allen anderen vergleichbaren Ländern. Trotzdem habe sich die onkologische Versorgung in diesem Zeitraum aber nur unwesentlich verbessert.

"In Bürokratie investiert"

Besondere Versorgungslücken attestierten die Gutachter bei der Therapie von Brust- und Zervixkarzinom. Die OECD stellte fest, dass ein Großteil der von der früheren Labour-Regierung unter Tony Blair bereitgestellten Gesundheitsetatgelder "anstatt in die Patientenversorgung in die Bürokratie geflossen" sei.

Dem stimmte der amtierende Gesundheitsminster Andrew Lansley zu. "Anstatt dafür zu sorgen, dass die Steuermilliarden auf den Stationen und in den Praxen ankommen, um die Versorgung zu verbessern, verschwendete Labour Unsummen in den Verwaltungen", so Lansley in einem Beitrag für den "Daily Telegraph".

Laut aktuellen Zahlen des Londoner Gesundheitsministerium gibt der britische Gesundheitsdienst (National Health Service) 5,6 Prozent seines Etats für onkologische Versorgungsangebote aus.

Laut der britischen Organisation "Policy Exchange" sind liegen diese Quoten in Deutschland bei 9,6 Prozent, in Frankreich bei 7,7 und in den USA bei 9,2 Prozent.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
Schlechte Karten für Krebspatienten

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