Ärzte Zeitung, 18.11.2013
 

Madrid

Müll wird zum Gesundheitsproblem

Es stinkt zum Himmel in der spanischen Hauptstadt Madrid - weil die Müllabfuhr streikt. Bürgerinitiativen reagieren verärgert und warnen vor gesundheitlichen Folgen.

MADRID. Aufgeplatzte Müllsäcke, Kartons mit Gemüseresten, stinkender Abfall. Madrid versinkt im Müll. Vor allem im Zentrum der spanischen Hauptstadt türmen sich derzeit die Müllberge in den Straßen.

Bereits seit über einer Woche streiken Madrids Müllmänner unbefristet gegen einen massiven Stellenabbau und Gehaltskürzungen von bis zu 40 Prozent bei der Stadtreinigung. Und ein Ende des Streiks ist vorerst auch nicht in Sicht.

Die leeren Kassen und die anhaltende wirtschaftliche Krisensituation zwingen die Stadtverwaltung angeblich zu den Kürzungen, weshalb Bürgermeisterin Ana Botella auch nicht zu Verhandlungen bereit ist.

"Wir können und wollen aber nicht länger in diesen Müllhaufen leben. Der Gestank ist nicht mehr auszuhalten und es wird mittlerweile auch zu einem gesundheitlichen Problem. Wir fordern, dass notfalls das spanische Militär Madrids Straßen vom Müll befreit", erklärt Valero Rioja von einer der zahlreichen Bürgerinitiativen.

Die mittlerweile täglich durch die Innenstadt patroullierenden Angestellten der Madrider Gesundheitsverwaltung versichern jedoch, dass es aus gesundheitlicher Sicht keinen Grund zur Sorge gebe. Vor allem die kühlen Temperaturen im November tragen laut Stadtverwaltung dazu bei, dass sich bisher noch keine gefährlichen Dioxine im Unrat freigesetzt haben.

Das könnte aber schon bald der Fall sein, sollte der Streik anhalten und der Unrat noch länger liegen bleiben. "Die Dioxine können bei Passanten und Anwohnern Brechreize oder Übelkeit auslösen", erklärt die spanische Allgemeinmedizinerin Beatriz Campo.

"Sollte irgendwo in der Stadt wirklich eine gesundheitliche Gefahr durch den sich anhäufenden Müll entstehen, werden wir sofort einschreiten, da das Recht auf Gesundheit der Bürger über dem Streikrecht steht", erklärt hingegen ein Sprecher der Stadtverwaltung.

Unterdessen nimmt die Spannung zu. Der Mindest-Service von 40 Prozent wird seit Tagen nicht mehr eingehalten, arbeitswillige Straßenreiniger brauchen Polizeischutz. Anwohner beginnen Müll zu verbrennen, während Stadtreiniger gezielt Mülleimer abfackeln. (mame)

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