Ärzte Zeitung online, 17.07.2014

USA

Noch mehr Laborpannen

Nach Anthrax und Influenza droht der US-Behörde CDC neues Ungemach: Weitere Pannen sind ans Licht gekommen. Der Direktor gerät unter Druck.

Noch mehr Laborpannen

In der Kritik: CDC in Atlanta.

© James Gathany / CDC / dpa

WASHINGTON. Nach der Anthraxpanne in einem US-Forschungslabor sind weitere Zwischenfälle bekannt geworden. Die zuständige US-Seuchenkontrollbehörde CDC in Atlanta gerät zunehmend in Erklärungsnot.

Demokratische Abgeordnete im US-Repräsentantenhaus haben am Mittwoch einen neuen Untersuchungsbericht zu bislang unbekannten Sicherheitslücken und Fehlern öffentlich gemacht. Danach hat es allein in den vergangenen anderthalb Jahren in CDC-Laboren, die an gefährlichen Krankheitserregern forschen, "Dutzende" Pannen und Sicherheitsprobleme gegeben, berichten US-Medien.

Probleme gab es demnach etwa mit unberechtigten Zutritten zu Laboren. Auch seien manche Ein- und Ausgänge nicht hinreichend dokumentiert. Schlimmstenfalls könnten solche Probleme dazu führen, dass gefährliche Erreger aus Laboren gestohlen werden, fürchten US-Politiker.

Bei den sechs Untersuchungen auf dem Campus der CDC in Atlanta zwischen Januar 2013 und März 2014 seien außerdem Defekte an Laborapparaturen gefunden wurden. Details hierzu wurden allerdings nicht bekannt. Auch seien Schulungen der Mitarbeiter nicht ausreichend dokumentiert worden, bei obligatorischen Bioschutzplänen fehlten Unterschriften.

Die CDC betreibt zahlreiche Forschungslabore, darunter auch ein großes BSL-4-Labor in Atlanta. Dort wird vor allem an hochkontagiösen Pathogenen und gefährlichen Stoffen geforscht. Auch die staatliche US-Gesundheitsbehörde NIH und weitere Ämter betreiben solche Einrichtungen, insgesamt 1500 im gesamten Land.

Durch die neu aufgedeckten Sicherheitslecks sowie die Anthrax-Panne aus dem Juni, bei der rund 80 Labormitarbeiter Milzbrandsporen ausgesetzt waren, wächst der politische Druck auf die CDC. Behördenchef Dr. Thomas Frieden musste sich deswegen am Mittwoch vor einem Untersuchungsausschuss im US-Repräsentantenhaus verantworten.

Die Politiker kritisierten die fehlende unabhängige Überwachung über die Forschungseinrichtungen. Die CDC wird vom US-Gesundheitsministerium beaufsichtigt. Auch die in den letzten zehn Jahren enorm gestiegene Zahl an Laboren ist den Abgeordneten ein Dorn im Auge.

"Zwar haben wir Wissenschaftler, die in ihrem Fach zu den besten der Welt gehören. Doch dieselbe Präzision haben sie nicht immer auf die Sicherheit angewendet", gab CDC-Direktor Frieden zu Protokoll. "Im Nachhinein betrachtet haben wir eine entscheidende Sache versäumt, nämlich dass es wegen dieser Zwischenfälle eine Notwendigkeit gibt, die Sicherheitskultur bei der CDC zu verbessern."

Frieden erklärte vor dem Ausschuss, dass die Anthrax-Panne deswegen entstanden sei, weil ein Labormitarbeiter geglaubt hatte, die Sporen seien hinreichend inaktiviert gewesen - was sie wegen eines Anwenderfehlers jedoch nicht waren.

Der Vorsitzende des Untersuchungsausschusses, Tim Murphy, ließ dies nicht als Entschuldigung zu. "Dr. Frieden, das ist so als würden Sie sagen: ‚Ich wusste nicht, dass die Waffe geladen war, aber jemand wurde erschossen.‘" Vielmehr sollte er, Frieden, immer davon ausgehen, dass das der Fall ist, so Murphy. "Dass jemand sagt ‚Nun, ich glaube nicht, dass die Anthraxsporen lebensfähig waren‘, ist inakzeptabel", donnerte der Abgeordnete dem CDC-Mann entgegen. (nös)

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