Ärzte Zeitung, 20.07.2015

EU

Krisenländer sparen bei Gesundheit

OECD-Zahlen zeigen: In Griechenland sind die Ausgaben für Gesundheit vier Jahre in Folge gesunken.

PARIS. In vielen EU-Ländern stagnieren oder sinken sogar die Gesundheitsausgaben. Das geht aus neuen OECD-Gesundheitsdaten hervor, die die Entwicklung im Jahr 2013 beschreiben.

Danach sind die Pro-Kopf-Ausgaben über alle 34 Mitgliedsstaaten der OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) hinweg im Berichtsjahr um ein Prozent gestiegen.

In den besonders von der Staatsschulden- und Finanzkrise betroffenen Ländern wie Griechenland, Italien und Portugal sanken die Ausgaben im Jahr 2013.

Im Falle Griechenland hält dieser Abwärtstrend im vierten Jahr in Folge seit 2009 an. Seitdem sind die Ausgaben dort jährlich im Schnitt um 7,2 Prozent geschrumpft, 2013 zuletzt um 2,5 Prozent.

Jenseits der EU-Staaten fällt das Wachstum in der OECD mit 2,5 Prozent deutlich stärker aus. In Chile und Südkorea liegt der Anstieg sogar über der Marke von fünf Prozent. Für die USA wird eine Zunahme der Gesundheitsausgaben von 1,5 Prozent angegeben.

Erste Daten für das Jahr 2014 deuten aber ein stärkeres Wachstum an, berichtet die OECD - mutmaßlich ein Effekt von "Obama-Care", da die Reform für mehr US-Amerikaner eine Krankenversicherung bezahlbar gemacht hat.

Für Deutschland wird das Ausgabenwachstum pro Kopf im Zeitraum von 2009 bis 2013 auf jährlich zwei Prozent beziffert.

Deutschland: Dritthöchste Ausgabenquote

Immer noch variieren die Gesundheitsausgaben in den OECD-Staaten stark. Der Durchschnitt liegt bei 8,9 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) und reicht von der Türkei (5,1 Prozent) bis zu den USA (16,4 Prozent).

Deutschland verzeichnet im Vergleich der Industrieländer zusammen mit Schweden die dritthöchste Ausgabenquote (11,0 Prozent des BIP), nur noch übertroffen von den Niederlanden und der Schweiz (jeweils 11,1 Prozent) sowie den USA.

In dem Maße, wie staatliche Gesundheitsausgaben krisenbedingt zurückgefahren wurden, hat sich der Anteil der selbst von Patienten gezahlten Gesundheitsausgaben erhöht.

Über alle OECD-Staaten hinweg beträgt der Zuwachs der sogenannten "Out-of-pocket"-Ausgaben zwischen 2011 und 2013 jährlich lediglich 1,3 Prozent.

In Krisenländern wie Griechenland und Portugal ging der Eigenanteil an den gesamten Gesundheitsausgaben dagegen um vier Prozentpunkte nach oben.

Rund jeden dritte Euro, der für Gesundheit aufgewendet wird, müssen Patienten in diesen beiden Ländern aus der eigenen Tasche beisteuern. (fst)

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