Ärzte Zeitung online, 08.10.2015
 

Antibiotika-Resistenzen

Minister ziehen an einem Strang

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) und Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU) setzen darauf, mit der One- Health-Strategie den weiteren Anstieg der Antibiotika-Resistenzen zu verhindern.

Von Susanne Werner

Minister ziehen an einem Strang

Statement vor dem Start des G7-Ministertreffens: Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) (l.) und Landwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU).

© Nietfeld / dpa

BERLIN. Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe will die One-Health-Strategie intensivieren, um die Zahl der Antibiotika-Resistenzen zu mindern.

Da die Gesundheit von Mensch und Tier eng verbunden ist, sei es nötig, speziell an der Schnittstelle zwischen Human- und Veterinärmedizin aktiv zu werden, sagte Gröhe kurz vor Beginn des Gesundheitsgipfels der sieben größten Wirtschaftsnationen in Berlin.

Die weltweit zunehmenden Antibiotika-Resistenzen standen am Donnerstag auf der Agenda der Gesundheitsminister aus den sieben führenden Industrienationen (G7).

Laut Gröhe haben allein in der Humanmedizin die Antibiotika-Resistenzen von 2000 bis 2010 um 35 Prozent zu genommen. Hier erfolgreich gegenzusteuern gelinge nur, wenn Politiker ressortübergreifend und international zusammenarbeiten würden, sagte der CDU-Politiker und wiederholte damit das, was er auch im Exklusiv-Interview mit der "Ärzte Zeitung" betont hat: "Kein Staat alleine kann Antibiotika-Resistenzen aufhalten."

Gröhe betonte, dass entsprechende Maßnahmen gemeinsam mit der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der internationalen Vereinigung für Tiergesundheit entwickelt werden müssten.

Zoonose-Forschung voranbringen

Auch Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt forderte, die One-Health-Strategie gemeinsam weiter zu entwickeln und umzusetzen. Er verwies darauf, dass EU-weit Antibiotika in der Tierhaltung nur für Therapiezwecke erlaubt seien und nicht um Wachstumsimpulse in der Mast auszulösen.

Deutschland habe sich bereits mit dem Tiergesundheitsgesetz dazu verpflichtet, den Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung weiter zu reduzieren. "Antibiotika sind im Stall genauso wie in Kliniken und Arztpraxen nur dann zu verabreichen, wenn dies unabdingbar ist", sagte Schmidt.

Das Bundeslandwirtschaftsministerium werde in den nächsten Jahren gemeinsam mit dem Bundesgesundheitsministerium und dem Bundesforschungsministerium die Zoonose-Forschung voranbringen, um die Übertragungswege zwischen Mensch und Tier genauer zu klären.

Gröhe kündigte darüber hinaus auch an, die Pharmaforschung in diesem Bereich stärken zu wollen. Es müssten neue Anreize für die Industrie geschaffen werden, damit diese in die Entwicklung neuer Antibiotika und auch neuer Therapien und Diagnostika investieren könne.

Mit Blick auf den Ausbruch des Ebola-Fiebers im vorigen Jahr sagte Gröhe: "In einer globalisierten Welt gibt es keine weitentfernten Krankheiten."

Der CDU-Minister forderte insbesondere, dass die internationalen WHO-Vorschriften zum Infektionsschutz auch tatsächlich in verschiedenen Staaten umgesetzt werden: "Das ist die Lektion aus Ebola."

Die reichen Staaten seien in der Pflicht, ärmere Länder dabei zu unterstützen, betonte Gröhe. Mit den Folgen der Ebola-Infektionen befassen sich die G7-Gesundheitsminister am Freitag.

[08.10.2015, 21:41:29]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Dilettantische Statements von BGM und BLM CDU/CSU vor dem Start des G7-Ministertreffens?
Ist dem geschätzten, leider Medizin- und Versorgungs-fremden Bundesgesundheits-Minister (BGM) Hermann Gröhe entgangen, dass der Ebola-Erreger ein V i r u s aus der Familie der Filoviridae darstellt? Ein behülltes Einzel-Strang-RNA-Virus, welches das hämorrhagische Ebola-Fieber nicht nur beim Menschen sondern auch bei anderen Primaten (Gorillas, Schimpansen) auslösen kann?

Mit Blick auf den Ausbruch des Ebola-Fiebers im vorigen Jahr sagte Gröhe: "In einer globalisierten Welt gibt es keine weit entfernten Krankheiten." Das ist angesichts b a k t e r i e l l e r Resistenzentwicklungen ehrlich gesagt, ein Armutszeugnis, womit auch die Ausbreitung anderer aggressiver Viruserkrankungen in Zentralafrika treffend beschrieben wären.

Wenn der CDU-Minister irritierend fordert, dass Vorschriften zum Infektions-Schutz der WHO, die auch und gerade bei Ebola kläglich v e r s a g t hatte, auch tatsächlich in verschiedenen Staaten umgesetzt werden müssten: "Das ist die Lektion aus Ebola", dann frage ich mich, warum er nicht seinen Landwirtschafts-Minister-Kollegen Christian Schmidt (BLM) von der CSU energisch zurückpfeift, der wider besseres Wissen behauptet, Deutschland habe sich bereits mit dem Tiergesundheitsgesetz dazu verpflichtet, den Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung weiter zu reduzieren: "Antibiotika sind im Stall genauso wie in Kliniken und Arztpraxen nur dann zu verabreichen, wenn dies unabdingbar ist".

Diese unlogische Verknüpfung kann nur jemand herstellen wollen, der davon ablenken möchte, dass in der Veterinärmedizin offiziell zugegebene 1.700 Tonnen Antibiotika pro Jahr durch w e i t e r e Antibiotika ergänzt werden, die o h n e veterinärmedizinische Indikationsstellung und Verordnung direkt über Futtermittel eingespeist werden. Dem entspricht die sprachlich veränderte Experten-Diktion, die mittlerweile zwischen Antibiotika i m Futtermittel und gezielten Verordnungen i n der Veterinärmedizin differenziert.

Das ist auch gegenüber fachlich qualifizierteren G-7-Fachministerinnen und -Ministern einfach nur peinlich.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
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