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Ärzte Zeitung, 11.10.2016

Flüchtlinge

Gesundheit nur mit Integration

Zum achten Mal findet in Berlin der World Health Summit statt. Wichtiges Thema in diesem Jahr: die Gesundheit von Flüchtlingen.

BERLIN. Die Flüchtlingsversorgung wird Ärzteschaft und Politik wohl auch in Zukunft beschäftigen. "Migration ist eines der zentralen Elemente unserer Zeit", betonte William Lacy Swing am Montag im Weltsaal des Auswärtigen Amtes anlässlich des World Health Summits.

An der Gesundheit der Flüchtlinge sei dabei abzulesen, ob Integration gelungen sei, so der Generaldirektor der Internationalen Organisation für Migration (IOM) auf dem Weltgesundheitsgipfel. Denn: "Nur wer vernünftig integriert wird, ist gesund."

Zu einer gelungenen Integration zählt Swing zufolge auch, Flüchtlingen Zugang zum Gesundheitssystem des aufnehmenden Landes zu garantieren. "Universal health coverage" – eines der Kernziele der nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen – sei nicht garantiert, wenn Flüchtlinge von der Gesundheitsversorgung ausgeschlossen würden.

Gleichzeitig stellte Yves Daccord, Generaldirektor des Internationalen Roten Kreuzes (IOC), klar, dass Flüchtlinge nicht in Ländern mit schwachen Gesundheitssystemen bleiben können. Fakt sei jedoch: 86 Prozent der weltweiten Flüchtlinge befinden sich nicht in Europa, sondern in benachbarten Ländern.

Und dies seien Entwicklungsländer mit ebenfalls schwachen Strukturen. "Der Druck auf diese Länder ist enorm", ergänzte Helle Thorning-Schmidt, Geschäftsführerin von Save the Children International.

Nach Ansicht von Thorning-Schmidt ist es besonders wichtig, geflüchteten Kindern eine Perspektive zu vermitteln. "Sie lernen Englisch, haben berufliche Hoffnungen", berichtete sie aus Gesprächen mit Jugendlichen in einem Flüchtlingscamp in Griechenland.

Doch wenn sie nach einigen Monaten realisierten, dass nichts passiere, sei dies eine massive mentale Belastung. "Eine Belastung, die krank machen kann."

"Die Ungewissheit über die Zukunft gepaart mit den Erfahrungen der Flucht schlägt sich sehr oft in psychischen Erkrankungen nieder", erklärte auch Florian Westphal, Geschäftsführer der deutschen Sektion von Ärzte ohne Grenzen (MSF), aus der Arbeit seiner Organisation.

Im vergangenen Jahr behandelten Mitarbeiter von MSF rund 100.000 Flüchtlinge in Camps in Europa. Von April bis September dieses Jahres waren es mehr als 18.000. Rund 650.000 Flüchtlinge sitzen nach MSF-Angaben noch in Griechenland fest. (mam)

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