Ärzte Zeitung, 24.11.2016
 

Landärzte

EU-weite Unterversorgung

EU-Kommission und OECD legen Gesundheitsstatistiken für 2016 vor: Die Widersprüche verschärfen sich.

BRÜSSEL. Seit dem Jahre 2000 hat sich die Anzahl von Ärzten in den Ländern der EU pro 1000 Einwohner von 2,9 auf 3,5 (2014) erhöht. Die Zahl der Fachärzte hat sich im gleichen Zeitraum verdoppelt, wogegen die Anzahl der Allgemeinmediziner EU-weit rückläufig ist.

Auf zwei neue Fachärzte kommt nur ein Allgemeinmediziner, was die Unterversorgung vor allem in ländlichen EU-Regionen drastisch verschlechtert.

Das sind Zahlen aus den von der EU-Kommission und der OECD am Mittwoch in Brüssel gemeinsam vorgestellten Gesundheitsstatistiken 2016. Sie spiegeln auch die Ungleichgewichte in der Gesundheitsversorgung der EU-Mitgliedstaaten wider.

Die Lebenserwartung ist in der EU 28 seit 1990 um sechs Jahre angestiegen. Betrug das Durchschnittslebensalter der EU-Bürger vor 15 Jahren 74,2 Jahre, stieg es bis 2014 auf 80,9 Jahre im EU- Schnitt an.

"Menschen in westeuropäischen Ländern leben acht Jahre länger als in den mittel- und osteuropäischen Ländern", erläuterte EU-Gesundheitskommissar Vytenis Andriukaitis die Ungleichgewichte beim Zugang der medizinischen Versorgung und der Gesundheitsausgaben. Obwohl der Versorgungsgrad der medizinischen Grundversorgung in den letzten 15 Jahren kontinuierlich angestiegen sei, blieben weiße Flecken.

So hätten etwa 10 Prozent der Bevölkerung von Zypern, Griechenland, Bulgarien und Rumänien keinen abgesicherten Zugang zu Gesundheitsdienstleistungen.

Mehr als 1,2 Millionen EU-Bürger sterben anhand der jüngsten EU-Datenerhebung an vermeidbaren Krankheiten, die durch bessere Aufklärung, Vorsorge und umfassenderen Zugang zu Gesundheitsdienstleistungen vermieden werden könnten.

Die Gesundheitsausgaben stiegen im EU-Schnitt von 2005 (8,7 Prozent) auf 9,9 Prozent im Jahre 2014 an. Zum Vergleich: In den USA liegt sie bei 18 Prozent – gemessen am Bruttoinlandsprodukt.

Bis zu 30 Prozent der EU-Bürger gehen in Notfallaufnahmen von Kliniken, weil die Grundversorgung nicht gesichert ist. (taf)

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