Ärzte Zeitung online, 07.02.2017

Großbritannien

Ausländische Patienten sollen zahlen

Die britische Regierung will die Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen kontrollieren.

LONDON. Britische Ärzte haben am Montag mit scharfer Kritik auf die Ankündigung der Londoner Regierung reagiert, von April an ausländische Patienten nur noch dann zu behandeln, wenn diese für ihren Arzt- oder Klinikbesuch bezahlen. Die Regierung hofft, durch diesen Schritt jährlich umgerechnet bis zu 580 Millionen Euro an Extra-Einnahmen in der Kasse zu haben. Wie der britische Gesundheitsminister Jeremy Hunt am Montag in London sagte, sei es "allerhöchste Zeit", dass ausländische Patienten, die keinen Anspruch auf Gesundheitsleistungen in Großbritannien hätten, dafür bezahlten. Laut Hunt entstehen dem staatlichen britischen Gesundheitsdienst (National Health Service, NHS) jährlich Schäden in dreistelliger Millionenhöhe, weil Schwindler sich Behandlungen ergaunerten. "Die Zeche zahlt dann der Steuerzahler", so der Minister.

Aus ärztlicher Sicht wichtig ist, dass die Regierung offenbar erwägt, die behandelnden Ärzte mehr als bisher bei der Überprüfung der Patientendaten in die Pflicht zu nehmen. Das soll sowohl für die staatlichen Krankenhäuser als auch für die NHS-Hausarztpraxen gelten. Konkret: Der Arzt könnte schon bald vom Patienten zunächst dessen Ausweis oder eine andere Form der Identifizierung verlangen, bevor er therapiert.

"Das ist eine schlechte Idee und es wird zu Chaos in den Kliniken und Praxen führen", sagte ein Sprecher des größten britischen Ärzteverbandes (British Medical Association, BMA) am Montag der "Ärzte Zeitung" in London. Und: "Ärzte sind nicht dazu da, Pässe zu kontrollieren!"

Die Ärzte fürchten außerdem, dass es vor allem die sozialschwachen Patienten und besonders Migranten und Obdachlose sein werden, die unter der Neuregelung leiden werden. EU-Patienten sind indirekt dem Vernehmen nach ebenfalls von der Regelung betroffen, da sie künftig laut Regierung "in jedem Fall Anspruchsbeweise" in den Kliniken oder Praxen erbringen sollen. Bislang wird zum Beispiel in staatlichen Kliniken so gut wie nie nach irgendwelchen Ausweispapieren oder Versicherungen gefragt. Nur Notfallpatienten sollen laut Hunt weiterhin ohne Identitäts-Checks behandelt werden. (ast)

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