Ärzte Zeitung online, 15.02.2017
 

Gesundheitswirtschaft international

Rosige Aussichten im Reich der Mullahs

Analysten sehen im Iran die ideale Ausgangsbasis für westliche Unternehmen, die in den Mittleren Osten expandieren wollen.

Von Christoph Winnat

MÜNCHEN. Seitdem infolge des Atomabkommens mit dem Iran vor zwei Jahren inzwischen die meisten internationalen Sanktionen gegen das Land aufgehoben wurden, wird der Iran zunehmend interessant für unternehmerische Kooperationen. Das gilt laut einer aktuellen Studie der Unternehmensberatung Roland Berger in Zusammenarbeit mit der Teheraner Consultinggesellschaft Ilia Corporation insbesondere auch für den Gesundheitsmarkt.

Demnach befindet sich Irans Wirtschaft ganz allgemein in guter Verfassung. Das Bruttosozialprodukt dürfte mittelfristig um 12 Prozent pro anno zulegen und 2020 rund 665 Milliarden Dollar erreichen, heißt es. Die Inflation habe sich seit 2013 halbiert auf heute rund zehn Prozent. Das sei der niedrigste Wert seit 25 Jahren. Die Analysten bescheinigen dem Land "eines der größten Wachstumspotenziale außerhalb der BRIC-Staaten" (Brasilien, Russland, Indien, China).

Auch die Aussichten für den Gesundheitsmarkt seien – so wörtlich – "teilweise rosig". Derzeit erreichten die jährlichen Gesundheitsausgaben nahezu 40 Milliarden Dollar. Bis 2020 wird damit gerechnet, dass die Ausgaben im Schnitt um sechs Prozent pro anno wachsen, getrieben vor allem durch die Ausgabenpolitik des Gesundheitsministeriums. Im übrigen stehe die öffentliche Gesundheitsversorgung auf hohem Niveau: Mehr als 90 Prozent der Bevölkerung – 77,5 Millionen Menschen, bis 2020 wird ein Bevölkerungswachstum auf 84,2 Millionen Einwohner erwartet – sind bei einer der vier staatlichen Krankenversicherungen versichert. Infolgedessen verzeichne auch der Pharmamarkt ordentliche Zuwächse. 2015 wurden den Angaben zufolge 1,9 Milliarden Dollar mit Fertigarzneimitteln umgesetzt. 85 Prozent des Marktes entfallen auf verordnete Präparate, 15 Prozent auf OTC-Produkte. Bis 2025 soll der Pharmamarkt nach Einschätzung der Analysten gleichfalls um jährlich sechs Prozent zulegen. Damit stelle der Iran hinter der Türkei, Ägypten und Saudi Arabien den viertgrößten Arzneimittelmarkt im Mittleren Osten dar. Im Regelfall würden die Arzneiausgaben zu 70 Prozent erstattet, wenn es sich um ambulante und zu 90 Prozent, wenn es sich um stationäre Verordnungen handelt.

Ausländischen Unternehmen, die im Iran aktiv werden oder das Land als Exportbasis nutzen wollen, raten die Analysten zu Kooperationen mit einheimischen Marktteilnehmern. Die Pharma-Infrastruktur sei gut ausgebildet. In rund 60 Produktionsbetrieben rollten jährlich um die 40 Milliarden Packungseinheiten vom Band. Aktuell werde für rund zwei Milliarden Dollar nahe Teheran eine "Industrial Pharmaceutical City" gebaut, mit der die Forschungs-, Gründer- und Biotechszene gefördert werden soll.

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