Ärzte Zeitung online, 09.03.2017
 

Afghanistan

Viele Tote bei Anschlag auf Krankenhaus

Viele Tote bei Anschlag auf Krankenhaus

Nach Angaben des Verteidigungsministeriums hatten vier bewaffnete Männer das Krankenhaus in Kabul um kurz nach 9.00 Uhr Ortszeit angegriffen.

© dpa

KABUL. Beim vierten großen Anschlag in diesem Jahr in der afghanischen Hauptstadt Kabul sind mindestens 34 Menschen ums Leben gekommen. Unter ihnen seien auch die vier Täter, sagte der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Daulat Wasiri, am frühen Mittwochabend. Rund 60 Menschen seien bei dem Attentat in der größten Militärklinik des Landes darüber hinaus verletzt worden, unter ihnen Frauen und Kinder.

Fast alle Opfer seien Patienten, Besucher und Personal. Zu der Tat bekannte sich die Terrormiliz Islamischer Staat. Der Anschlag löste international Empörung aus. Die vier Attentäter schafften es als Ärzte verkleidet in weißen Kitteln in das Hospital - und schossen dort sieben Stunden lang um sich, wie es hieß.

Mehrere Explosionen

Wasiri verkündete erst nach Ende des Angriffs die wahren Opferzahlen. Zuvor hatten er und Sprecher des Gesundheitsministeriums hartnäckig von vier Toten gesprochen. Der Angriff hatte um kurz nach 9.00 Uhr morgens begonnen. Zuerst sprengte sich einer der Täter am Tor in die Luft. Ein weiterer wurde schnell erschossen, aber zwei weitere drangen in die Klinik ein und verschanzten sich.

Von den dramatischen Szenen, die sich dort abspielten, drang nur wenig nach außen. Sie ließen sich aber erahnen. Über dem achtstöckigen Gebäude kreisten Militärhubschrauber, die Spezialkräfte auf dem Dach absetzten und Patienten mitnahmen. Fotos zeigten, wie hoch oben im achtstöckigen Gebäude drei Menschen aus einem Fenster stiegen und verzweifelt versuchten, sich geduckt auf dem schmalen Sims zu verstecken.

Anwohner berichteten in den sozialen Medien von mehreren Explosionen - in der Klinik warfen die Angreifer mit Handgranaten. Ein Klinikmitarbeiter in grüner Krankenhauskleidung namens Abdul Qadir erzählte einem Fernsehsender, wie einer der bewaffneten Männer auf ihn, dann einen Kollegen geschossen habe.

Weltweite Empörung

Erst am Nachmittag meldete das Verteidigungsministerium, dass nun alle Patienten, Besucher und Personal aus dem Haus gerettet worden seien. Hinter den weiträumigen Absperrungen standen derweil Hunderte Angehörige. Dass das Ziel des Angriffs ein Krankenhaus war, rief international sofort Empörung hervor. Die Weltgesundheitsorganisation teilte mit, Krankenhäuser dürften keine Ziele sein.

Das ist schon lange keine Realität mehr. Die UN hatten 2015 und 2016 in Afghanistan mehr als 240 Angriffe auf Kliniken und medizinisches Personal gezählt. Anfang Februar schon hatten sie gemeldet, dass 2016 bei sehr viel mehr Selbstmordattentaten als im Vorjahr die Zahl der zivilen Opfer um 75 Prozent in die Höhe geschossen war.

Kabuler Zelle wird aktiver

 Aus dem deutschen Außenministerium hieß es an Nachmittag, man verurteile den Anschlag „in aller Schärfe und Nachdrücklichkeit“. „Sich an Wehrlosen in einem Krankenhaus zu vergreifen, ist feige und es ist hinterhältig.“ Die Bundesregierung werde Afghanistan weiterhin in seinem Kampf gegen den Terrorismus unterstützen. Der Angriff ist auch ein Beweis dafür, dass die Terrormiliz IS in Afghanistan nicht tot ist.

Sie will in Afghanistan und Pakistan eine neue „Provinz“ namens IS-Khorasan aufbauen. Der IS ist noch recht neu in Afghanistan und hat seine Präsenz bisher weitgehend auf zwei Provinzen im Osten des Landes beschränkt. Eine große Kämpferbasis hatte er nie, und Hunderte Anhänger waren in den vergangenen Monaten bei Luftangriffen der USA und der afghanische Luftwaffe getötet worden.

Trotzdem gibt es im Osten weiter Berichte über Angriffe des IS auf Regierung und Gemeinden. Und auch die Kabuler Zelle wird aktiver. Erst im Februar hatte der IS bei einem Angriff auf das höchste Gericht des Landes mindestens 22 Menschen getötet.

Für Kabul war der neue Angriff ein Schock. Erst vor einer Woche hatten radikalislamische Taliban bei einem Doppelanschlag auf eine Polizeistation und ein Geheimdienstbüro mindestens 23 Menschen getötet und mindestens 107 verletzt. (dpa)

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