Ärzte Zeitung online, 15.05.2017
 

Anorexie-Prävention

Frankreichs Gesetz gegen Magermodels

Schlechte Vorbilder? Das französische Gesundheitsministerium will spindeldürre Models vom Catwalk verbannen – per Gesetz und mit hohen Strafen.

Magermodels: Frankreich geht mit Gesetz vor

Umstrittenes Schönheitsideal: Frankfreich geht per Gesetz gegen den Magerwahn in der Modewelt vor.

© Jens Kalaene / dpa/lbn

PARIS. Ein Gesetz schreibt Models in Frankreich künftig vor, eine gesundheitliche Eignung für ihre Tätigkeit nachzuweisen. Das Gesundheitsministerium will damit gegen umstrittene Schönheitsideale vorgehen und Magersucht bei Jugendlichen vorbeugen. Die ärztliche Bescheinigung soll in der Regel für zwei Jahre ausgestellt werden (die "Ärzte Zeitung" berichtete in ihrer App). Wer Models ohne Bescheinigung beschäftigt, dem drohen sechs Monate Gefängnis und 75.000 Euro Strafe.

Im Mittelpunkt der Bescheinigung steht der Body-Mass-Index (BMI). Werte unterhalb 18,5 gelten als Indikator für Untergewicht. Das in Kraft getretene Gesetz gibt Ärzten jedoch die Deutungshoheit, weil etwa Alter und Statur berücksichtigt werden können.

Bereits 2015 hatte Frankreich beschlossen, mit einem Gesetz gegen Anorexie vorzugehen, der nun in Kraft getretene Erlass regelt die Details. Ab Oktober müssen Fotos in Werbung, Medien und im Internet zudem mit dem Hinweis "retuschiert" versehen werden, wenn die Figur nachbearbeitet wurde.

"Der Kontakt von jungen Menschen mit normativen und unrealistischen Körperbildern führt zu einem Gefühl der Minderwertigkeit und einem niedrigen Selbstwertgefühl", sagte Marisol Tourain, die französische Ministerin für Soziales und Gesundheit. "Beides kann Einfluss auf das Gesundheitsverhalten haben."

Frankreich ist nicht das einzige Land, das gesetzlich gegen untergewichtige Models vorgeht, ähnliche Maßnahmen gelten bereits in Spanien und in Israel. In Italien haben sich alle großen Agenturen 2006 freiwillig verpflichtet, Models mit einem BMI unter 18,5 von den Laufstegen zu verbannen. (jk)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Progesteron-Gel kann Frühgeburt vermeiden

Sinkt der Progesteronspiegel in der Schwangerschaft zu früh, verursacht das wohl eine vorzeitige Wehentätigkeit und Geburt.Einige Frauen schützt eine vaginale Hormonapplikation davor. mehr »

Statine mit antibakterieller Wirkung

Die kardiovaskuläre Prävention mit einem Statin schützt möglicherweise auch vor Staphylococcus-aureus-Bakteriämien. Das hat eine dänische Studie ergeben. mehr »

Das steht in der neuen Hausarzt-Leitlinie Multimorbidität

Die brandneue S3-Leitlinie Multimorbidität stellt den Patienten als "großes Ganzes" in den Mittelpunkt – und gibt Ärzten eine Gesprächsanleitung an die Hand. mehr »