Ärzte Zeitung online, 23.05.2017
 

Terroranschlag

Manchesters Rettungsdienste waren gerüstet

Nach dem mutmaßlichen Terroranschlag von Manchester hat die Notfallversorgung funktioniert.

Von Arndt Striegler

MANCHESTER. Der jüngste Terroranschlag in Großbritannien hat auch innerhalb der britischen Ärzteschaft große Bestürzung ausgelöst. Bei dem Terroranschlag im englischen Manchester sind mindestens 22 Menschen ums Leben gekommen und mindestens 59 Personen verletzt. Krankenhäuser in Manchester sind nach wie vor in Alarmbereitschaft, Klinikärzte und Pflegepersonal schieben weiterhin Überstunden, um Verletzte zu versorgen.

"Das waren ganz schlimme Stunden. Es war wie im Krieg", so eine Sprecherin des größten Krankenhauses von Manchester zur "Ärzte Zeitung". Und: "Viele der Verletzten sahen schlimm aus und waren traumatisiert." Unter den Toten und Verletzten befanden sich auch zahlreiche Kinder und Jugendliche, was die Kliniken in Manchester vor zusätzliche Probleme stellte. Insgesamt waren acht Kliniken im Großraum Manchester mit der Betreuung der Terroropfer betraut.

Außer der akuten Wundversorgung lag einer der Behandlungsschwerpunkte offenbar auf der psychologischen Betreuung der Terroropfer. Ein Sprecher der Stadtverwaltung von Manchester bestätigte auf Anfrage der "Ärzte Zeitung", dass sowohl in den Kliniken als auch rund um den Veranstaltungsort "psychologische Notbetreuung von Verletzten und Angehörigen" einer der Schwerpunkte war. Viele der Konzertbesucher waren Kinder und Jugendliche, die nach der Bombenexplosion am späten Montagabend sichtlich verwirrt und geschockt wirkten.

Die britische Premierministerin Theresa May, die als Folge des Terroranschlags den Wahlkampf unterbrach, lobte ausdrücklich den Einsatz von Ärzten, Pflegepersonal und Rettungsdiensten mit den Worten: "Sie alle haben großartige Arbeit geleistet und unser Land ist stolz auf sie!"

Die Krankenhäuser und Rettungsdienste in Manchester waren offenbar gut auf eine derartige Katastrophe vorbereitet. Nur wenige Minuten, nachdem der erste Notruf aus der Konzerthalle "Manchester Arena" in der Rettungsdienstleitstelle am späten Montagabend einging, waren die ersten Rettungswagen am Einsatzort. Bis zu 30 Rettungswagen waren in der Nacht zum Dienstag vor Ort; viele Opfer wurden zunächst ambulant im Foyer der Konzerthalle oder auf der Straße davor notärztlich versorgt.Ärzte, Pflegepersonal und Kliniken in Manchester haben über die Jahre hinweg einschlägige Erfahrungen bei der notärztlichen Versorgung von Gewaltopfern sammeln können. Mehrfach war die nordenglische Stadt in der Vergangenheit Ziel von IRA-Terrorattacken gewesen. Außerdem tobt in bestimmten Stadtteilen Manchesters seit Jahren ein gewaltsamer Bandenkrieg, bei dem es immer wieder Tote und Schwerverletzte gibt. "Wir haben da viele Erfahrungen sammeln können. Das hilft uns jetzt", so ein Klinikarzt aus Manchester zur "Ärzte Zeitung".

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