Ärzte Zeitung online, 01.06.2017
 

Großbritannien

Brexit könnte NHS Millionen kosten

LONDON. Der geplante EU-Austritt Großbritanniens könnte das Gesundheitswesen des Landes teuer zu stehen kommen. Sollten alle derzeit in der Europäischen Union lebenden britischen Rentner nach Hause zurückkehren, müsste der britische National Health Service (NHS) eine halbe Milliarde Pfund – rund 576 Millionen Euro – zusätzlich pro Jahr für deren Versorgung aufwenden, warnte die Denkfabrik Nuffield Trust in einem am Mittwoch veröffentlichten Bericht.

Derzeit leben rund 190.000 britische Rentner in EU-Ländern wie Spanien oder Frankreich. Gesundheitsleistungen werden für sie auf Basis des EU-Schemas S1 übernommen: Dieses sichert EU-Bürgern, die in einem anderen EU-Land leben, den Anspruch auf Gesundheitsleistungen zu – etwa entsandten Arbeitnehmern, Rentnern oder Beamten.

Der Trust geht davon aus, dass die Rentner mit einer Kündigung der S1-Absprache im Zuge des Brexits zurück in das Vereinigte Königreich kehren würden. Weil deren Pflege etwa 979 Millionen Pfund im Jahr koste und die Regierung aktuell 500 Millionen für das S1-Schema aufwende, entstehe hier eine bedeutende Differenz. Aktuell profitiert Großbritannien von S1, da dort lebende EU-Bürger vor allem steuerzahlende Arbeitnehmer seien, heißt es im Bericht.

Würde mit dem Brexit die Einwanderung aus dem EU-Ausland gestoppt, fehlten Großbritannien bis zum Jahr 2025/26 zudem bis zu 70.000 Pflegekräfte. Auch würden 900 Krankenhausbetten mehr gebraucht. (jk/dpa)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Wie Grippeviren ihr Erbgut steuern

Forscher haben nachgewiesen, wie Gene von Influenza-A-Viren an- und abgeschaltet werden. Die Erkenntnisse sollen die Entwicklung neuer Therapien vorantreiben. mehr »

6000 Euro Strafe für Informationen über Abtreibung

Wegen unerlaubter Werbung für Schwangerschaftsabbrüche hat das Amtsgericht Gießen am Freitag eine ortsansässige Allgemeinärztin zu 6000 Euro Geldstrafe verurteilt. mehr »

Mehr Transparenz soll die Wogen der SPRINT-Studie glätten

Der Streit um die SPRINT-Studie hält an. Im Fokus steht die genutzte Methode der Praxisblutdruckmessung, um die sich Gerüchte rankten. Jetzt hat die SPRINT-Gruppe für mehr Transparenz gesorgt. mehr »