Ärzte Zeitung online, 23.10.2017
 

Österreich

Nach der Wahl: Was sich Ärzte wünschen

Die Aufwertung der Allgemeinmedizin ist auch beim Nachbarn ein großes Thema.

Von Martin Krenek-Burger

Nach der Wahl: Was sich Ärzte wünschen

© Ernst Weingartner / chromorange / picture alliance

WIEN. Österreich hat gewählt. Wie schätzen Ärzte und Funktionäre das Wahlergebnis ein? Die "Ärzte Woche" aus Österreich hat nachgefragt: Dr. Susanne Rabady von der Gesellschaft für Allgemeinmedizin wünscht sich, dass "die Allgemeinmedizin im Studium breiteren Raum einnimmt, vor allem müssen praktische Teile während der Ausbildung verpflichtend werden. Auch in Österreich muss endlich die offizielle Anerkennung als Spezialfach Wirklichkeit werden. Anders kann man junge Kollegen nicht für die Allgemeinmedizin gewinnen".

"Mein größtes Anliegen ist es, dass das Lungenhochdruckszentrum an der Kardiologie AKH Wien in das European Reference Network aufgenommen wird. Das erfordert politische Unterstützung", sagt Professor Irene Lang, Leiterin der Klinischen Abteilung für Kardiologie am AKH.

Weit über Österreichs Grenzen hinaus denkt Marcus Bachmann, Berater für humanitäre Angelegenheiten bei Ärzte ohne Grenzen. Er ruft die nächste Regierung dazu auf, "in Flüchtlingsfragen dringend die Diskussion zu versachlichen. Es müsse der Blickwinkel auf die großen außereuropäischen Krisen erweitert werden, nach Syrien, Bangladesch oder Uganda. Überall dort sind unsere Teams vor Ort und leisten medizinische Nothilfe in Flüchtlingskrisen.deren Ausmaße für europäische Verhältnisse kaum vorstellbar sind" Bachmann appelliert, Druck auf Libyen auszuüben, damit die willkürliche Internierung und Misshandlungen von Flüchtenden aufhören.

Die Situation in Libyen, wo Ärzte ohne Grenzen Zeuge werden wie Flüchtende und Migranten ohne Grund eingesperrt, misshandelt und sogar versklavt werden, zeige: "EU-Maßnahmen wie die Unterstützung der libyschen Küstenwache schaffen weitere humanitäre Krisen, wenn sie nicht mit Maßnahmen für sichere und legale Fluchtwege sowie ohne Aufstockung der Hilfe vor Ort einhergehen."

Der Hauptverbands-Vorsitzende der österreichischen Sozialversicherungsträger Dr. Alexander Biach fordert Transparenz: "Ich nehme mich da selber und unsere Organisation bei der Nase, weil sie die komplizierteste und komplexeste Konstruktion überhaupt darstellt. Mit einem dualen Finanzierungssystem aus Sozialversicherung und Ländern. Kein Mensch überblickt das. Das muss eine künftige Regierung in den Griff kriegen und die Finanzierung aus einer Hand sicherstellen."

Die Irrwege im Gesundheitssystem liefern Omar Sarsam Stoff. Der Kabarettist und Kinderchirurg steht mit dem Programm "Diagnose: Arzt" auf der Bühne des Kabaretts Niedermair. "Wenn politisch so viel Blödsinn passiert, dann habe ich als Kabarettist genug Material, um das medizinische Loch, das dadurch entsteht, zu füllen. Umgekehrt: Wenn es keine negativen Schlagzeilen gibt, kann ich mich mehr auf die Medizin stürzen. "

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