Ärzte Zeitung online, 08.11.2017
 

Gesundheitsminister-Treffen

Gesundheitsrisiko Klimawandel: G7 machen mobil

Beim Treffen der G7-Gesundheitsminister in Mailand ging es längst nicht nur um den Katastrophenschutz. Die Gesundheitsrisiken durch den Klimawandel sind breiter gestreut. Deshalb soll künftig gerade auch in Sachen chronische Erkrankungen mehr Prävention betrieben werden.

Von Rebekka Höhl

Während bei der Weltklimakonferenz in Bonn derzeit die einzelnen Länder noch diskutieren, wie sie ihren CO2-Ausstoß messen, angeben und künftig verringern können, haben die Gesundheitsminister der führenden Industriestaaten (G7) bereits einen Plan für eine gemeinsame globale Gesundheitsstrategie zum Klimawandel vorgelegt. Dabei ist es kein Zufall, dass Italien als Gastgeber und in seiner G7-Präsidentschaft bei dem Treffen am 5. und 6. November in Mailand den Schwerpunkt auf die Herausforderungen der Gesundheitssysteme durch den Klimawandel gelegt hat. Denn längst geht es um mehr, als bloßen Katastrophenschutz oder das schnelle Eindämmen von Epidemien. Klimawandel und vor allem die zugehörigen Umweltverschmutzungen begünstigen nicht selten auch chronische Erkrankungen.

Netzwerk gesucht

Es sind große Worte, die in dem Strategiepapier mit seinen 47 Unterpunkten stecken. Den Gesundheitsrisiken und dem fortschreitenden Klimawandel lässt sich nicht allein begegnen, daher forcieren die Gesundheitsminister einen interdisziplinären Austausch – um die Forschung voranzutreiben und gezielte Maßnahmen umzusetzen.

Mit an den Tisch für einen besseren Austausch und zielführende Schutzmaßnahmen sollen etwa Minister und Vertreter aus den Bereichen Umwelt, Bildung, Transport, Energie, Finanzen, Stadtplanung, Landwirtschaft, Wasser- und Abfallmanagement und natürlich der Forschung. Neben Frühwarnsystemen sollen vor allem Präventionskonzepte aus dieser Zusammenarbeit entstehen. Die übrigens einmal mehr das wichtige Thema Datenaustausch beinhaltet. Wie genau dieser stattfinden soll, lassen die Minister jedoch offen.

Eine der wichtigsten Kooperationen dürfte aber auch die mit der Veterinärmedizin sein. Dabei geht es nicht nur darum, wie sich künftig klimabedingten Hungersnöten begegnen lässt. Hier spielt der zweite Schwerpunkt des Ministertreffens hinein: die Reduktion von Antibiotikaresistenzen. Die moderne Masttierhaltung der Industrieländer hat einen entscheidenden Beitrag zur Resistenzbildung geleistet, unter der gerade auch ärmerer Länder leiden. Hier müssen künftig neue Wege gefunden werden.

Kampf den Resistenzen

Groß geschrieben wird in dem Strategiepapier die Forschung: Neben innovativen Arzneimitteln und neuen Impfstoffgenerationen, die vor allem vor durch Klimawandel hervorgerufene Epidemien schützen sollen, sollen diagnostische Testverfahren gefördert werden. Das beinhaltet das Bereitstellen der nötigen finanziellen Mittel. Ein festes Commitment gibt es auch hier allerdings nur bei der Bekämpfung von Antibiotikaresistenzen: Die Gesundheitsminister hätten sich für die Unterstützung der G20-Verpflichtungen und insbesondere zur Unterstützung der globalen Zusammenarbeit des sogenannten Global Collaboration Hub on Research and Development on Antimicrobial Resistance (AMR) bereit erklärt, heißt es vonseiten des Bundesgesundheitsministeriums. Allein die Bundesregierung will die Antibiotikaforschung in den nächsten zehn Jahren mit bis zu 500 Millionen Euro unterstützen.

Für die Abmilderung der zunehmenden chronischen Erkrankungen, wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Lungenerkrankungen oder Krebs, die durch Klimawandel und Umweltverschmutzung begünstigt werden, will man künftig Best-Practice-Beispiele in der Versorgung austauschen und gemeinsam an Monitoringkonzepten stricken. Außerdem soll bis zum Jahr 2020 ein vernünftiges Management von Chemikalien und Abfallstoffen durch ihren gesamten Lebenszyklus hindurch auf die Beine gestellt werden – um Umweltgifte zu reduzieren. Dazu passt, dass mehr für "saubere Luft" getan werden soll. Einen Lösungsansatz für Städte sehen die Minister im "smart working" – also Arbeitsplätzen, die man von zu Hause ohne Anfahrtsweg ausfüllen kann. Die Minister wollen sich aber auch noch stärker für Rauchverbote einsetzen.

Das dritte große Thema auf der Agenda der G7-Minister in Mailand war die Förderung der Gesundheit von Frauen und Kindern. Hier will man vor allem auch auf eine bessere Ausbildung setzen. Nicht ganz ohne Selbstzweck: Frauen stellen weltweit zwei Drittel der Gesundheitsfachkräfte, wie die Minister festgestellt haben. Investitionen in ihre Ausbildung könnte auch weltweit mehr der dringend benötigten Fachkräfte bringen.

Sehr deutlich wird zudem das Thema Migration angesprochen: Ob es nun die Klimaflucht wegen anhaltender Dürren und Hungersnot ist, oder die Flucht, weil sauberes Wasser unzugänglich ist, die Minister bekunden, hier künftig gemeinsam und entschieden gegensteuern zu wollen. Bis 2030 sollen mindestens 500 Millionen Menschen weniger von Hunger und Mangelernährung betroffen sein. Zudem soll mehr für die medizinische Versorgung von Migranten und Flüchtlingen getan werden, das gelte insbesondere für die Transitstationen bzw.- länder.

G7-Ministertreffen

Vom 5.- 6. November haben die Gesundheitsminister der G7-Staaten (Deutschland, Frankreich, Italien, Japan, Kanada, Großbritannien, USA) in Mailand getagt.

Kernpunkte waren der Klimawandel, die Gesundheit von Frauen und Antibiotikaresistenzen.

Lesen Sie dazu auch:
G7-Minister einig: Klima wirkt sich auf Gesundheit aus

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