Ärzte Zeitung online, 21.11.2017

Großbritannien

Ärger über Gesundheitsdienstleister

NHS und Privatfirmen kooperieren – das Konzept des früheren britischen Premiers Blair sorgt für großen Ärger.

LONDON. In Großbritannien werden jährlich offenbar dreistellige Millionenbeträge für teils dubiose Gesundheitsdienstleister und Managementfirmen und Consultants ausgegeben. Das Geld fehlt bei der Versorgung der Patienten. Die Zahlen zeigen laut Experten, dass die Krise im staatlichen Gesundheitsdienst offenbar zumindest zum Teil hausgemacht ist. Derzeit laufen landesweit 125 Verträge zwischen dem staatlichen Gesundheitsdienst (National Health Service, NHS) und Privatunternehmen, um zum Beispiel neue Krankenhäuser zu bauen oder alte Kliniken zu modernisieren. Die Kooperation zwischen NHS und Privatfirmen unter der Bezeichnung "Privat Finance Initiative" (PFI) wurde in den 90er Jahren vom damaligen Premierminister Tony Blair eingeführt.

Die Idee war damals, dass Privatfirmen ihr eigenes Kapital in den NHS investieren und dafür bis zu 30 Jahre lang Gewinne aus dem Betrieb von Kliniken, Praxen und anderen Versorgungsstellen schöpfen dürfen.

Einige Firmen operieren offenbar mit Gewinnmargen von 30 Prozent oder noch mehr, stellten jetzt Experten der Organisation "Centre for Health" kritisch fest. Das koste den Steuerzahler, der den NHS letztlich finanziere, jährlich dreistellige Millionenbeträge. Dieses Geld fehle dann aber in der Patientenversorgung.

Der Betreiber einer NHS-Klinik in Peterborough (Mittel-England) zum Beispiel habe zwischen 2010 und 2015 insgesamt 80 Millionen Pfund (rund 90 Millionen Euro) an Gewinnen eingestrichen. Und die Firma, die das weltbekannte University College Hospital (London) betreibt, habe zwischen 2010 und 2015 Gewinne von knapp 140 Millionen Pfund (157 Millionen Euro) verzeichnet, heißt es.

Gesundheitspolitiker und Vertreter von Ärzteverbänden kritisieren die "maßlose Profitsucht" der PFI-Betreiber. Hier werde rücksichtslos das Patientenwohl geopfert, um für private Anleger Geld zu machen, hieß es. Erste Stimmen im Königreich verlangen bereits eine Abschaffung der PFI-Initiative. (ast)

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