Ärzte Zeitung online, 12.03.2018

Präventionslehrer

Medizinstudenten klären in Frankreich die Bevölkerung auf

Weil die Franzosen krasse Informationsdefizite in Sachen Prävention haben, sollen Medizinstudenten Nachhilfeunterricht geben. Initiator: Präsident Macron.

Von Denis Durand de Bousingen

PARIS. Ab kommenden Herbst werden französische Medizinstudenten sowie Auszubildende aus anderen Gesundheitsberufen, Gymnasiasten, Azubis sowie Studenten aller Fächer landesweit über Prävention und Gesundheitsthemen aufklären.

Dieser sogenannte Gesundheitsdienst ("service sanitaire"), der von Staatspräsident Emmanuel Macron gefordert und kürzlich vorgestellt wurde, ist Teil einer umfassende Strategie, um das französische Gesundheitssystem mit Blick auf Prävention neu zu orientieren. Die Vorbeugung ist aus Sicht Macrons zu lange vernachlässigt worden.

Konkret werden Medizin-, Zahnmedizin- und Pharmaziestudenten sowie Hebammen in Ausbildung und Pflegestudenten mindestens 60 halbtägige Fortbildungen in einem Zeitraum von drei Monaten in verschiedenen Ausbildungsanstalten anbieten, um dort mit Schülern, Azubis und Studenten zu sprechen.

Vier Themen im Fokus

Vor allem soll über vier Themen systematisch kommuniziert werden: Suchtprävention, insbesondere mit Blick auf Tabak und Alkohol, gesunde Ernährung und Übergewicht, Sport und Bewegung sowie sexuelle Aufklärung, einschließlich Verhütung und Schutz vor sexuell übertragbaren Krankheiten.

Der Gesundheitsdienst wird für alle Studenten genau wie ein herkömmliches Pflichtpraktikum nicht vergütet. Er wird während des dritten Studienjahres stattfinden. Betroffen sind ab Herbst 47 000 Studenten und Studentinnen, darunter 8500 angehende Mediziner sowie rund 30.000 Pflegestudenten.

Dienste in dieser Form gibt es bisher in Europa nicht, erklärte Macron. Nach der Probephase in Schulen und Unis sollen ähnliche Veranstaltungen in Betrieben sowie in Altersheimen stattfinden. Geplant sind auch Infoveranstaltungen in Sozialeinrichtungen sowie in Justizstrafanstalten.

Studentenvertreter positiv angetan

Organisationen der Medizinstudenten begrüßen diesen Dienst, der ihnen die Chance biete, mit weiten Teilen der Bevölkerung über Gesundheit zu sprechen. Sie warnen aber vor praktischen Schwierigkeiten und Zeitmangel, da das dritte Studienjahr zeitlich dicht belegt ist.

Während der Tagungen werden Studenten von Lehrern und Pflegern begleitet, um nicht allein vor unbekanntem Publikum sprechen zu müssen. Inzwischen wurden in vier westfranzösischen Städten entsprechende Tagungen in Schulen und Gymnasien organisiert. Die ersten Reaktionen fielen bei allen Beteiligten positiv aus.

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